Hunted, The

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Psychologische Verteidigung


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Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


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Bewertung
****
Originaltitel
The Hunted
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1948
Darsteller

Preston Foster, Belita, Pierre Watkin, Edna Holland, Russell Hicks

Regie
Jack Bernhard
Farbe
s/w
Laufzeit
84 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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Es ist spät am Abend und es regnet in Strömen, als der East-West-Motor-Lines-Bus die Landstraße hinunter in Richtung seines Zielorts Los Angeles braust. Dort wartet im Busbahnhof, hinter einer Zeitung verborgen, bereits Police Lieutenant Johnny Saxon (Preston Foster) auf die Ankunft seiner ex-Freundin Laura Mead (Belita), die er vor vier Jahren wegen Beteiligung an einem Juwelenraub hinter Gitter brachte und die just aus dem Gefängnis entlassen wurde. Mit nichts als einem Koffer tritt Laura hinaus auf die von einem Gewitterregen gepeitschte Straße. Als sie Johnny hinter der beschlagenen Eingangstür erkennt, macht sie sich eiligen Schrittes zu Fuß auf den Weg… Saxon betritt kurz darauf in seinem durchweichten Trenchcoat das Büro der Bewährungshelferin Miss Turner (Edna Holland), die für Laura zuständig sein wird. Sie ist nicht da, doch der Polizeibeamte geht zum Aktenschrank und kramt Lauras Ordner hervor. Indessen er an ihrem Schreibtisch sitzt, betrachtet er auch seinen Verlobungsring, der an seinem Schlüsselbund hängt… Miss Turner kehrt zurück und sie streiten kurz darüber, ob ex-Häftlinge je wieder in die Gesellschaft integriert werden können, wovon Miss Turner überzeugt ist. Ein Polizeibeamter (Michael Browne) tritt ein und kündigt Rechtsanwalt Simon Rand (Pierre Watkin) an. Als jener durch die Tür kommt, ist er überrascht neben der Bewährungshelferin auch Saxon vorzufinden. Rand war Laura Meads Verteidiger und sie seine einzige Klientin, die je rechtskräftig zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde...

 

“I mentioned before, the way we used to talk about things seems like a million years ago.” – “At least that long…” Das ist ein ungewöhnlicher Film Noir, insofern er sich auf die Beziehung zwischen dem Polizeibeamten Johnny Saxon und seiner ex-Freundin Laura Mead fokussiert. War sie vor vier Jahren an einem Juwelenraub beteiligt, wie es die seinerzeit erdrückende Beweislage nahelegte, die auch Staranwalt Simond Rand nicht zu widerlegen wusste? Ihr eigener Bruder, der nach Lauras Aussage die Juwelen ohne ihr Zutun in ihrem Apartment deponiert hatte, wurde kurz darauf ermordet aufgefunden. Und den mutmaßlichen Drahzieher des Coups namens Howell Smith (Larry J. Blake), der über die Staatsgrenze floh und für diesen Raub nie belangt werden konnte, behauptet Laura nicht zu kennen. Doch das sind alles nur Worte gegenüber einer Kette von Indizien, welche die Staatsanwaltschaft vorbrachte und die Police Lieutenant Johnny Saxon, selbst ein Beamter der Mordkommission, damals anerkennen musste. Sein Problem: auch vier Jahre nach jenen schicksalhaften Ereignissen ist er zu Laura Mead in Liebe entbrannt und findet nicht mal im Whisky auf seine Zweifel und für seinen Liebeskummer eine Antwort. Ist sie eine Femme fatale, von der er sich an der Nase herumführen ließ und die ihm seinerzeit etwas vorschwindelte, so wie es ihr einstiger Anwalt Simond Rand dem Polizeibeamten nahelegt? Oder wurde sie von Gangstern, mit denen ihr leiblicher Bruder unter einer Decke steckte, als Bauernopfer auserkoren und selbst um ihre Freiheit betrogen? Im Laufe der 83 Minuten Spielzeit des Films entwickelt sich die Klärung dieser Fragen überaus gemächlich - tatsächlich ist The Hunted nicht ohne Längen. Preston Foster und Belita entwickeln jedoch eine wunderbar stimmige Chemie miteinander und sind neben der exzellenten Kameraarbeit Harry Neumanns (Allotment Wives, USA 1945) diejenigen, die solchen Film Noir für dasPoverty-Row-Studio Allied Alliance über den Durchschnitt vergleichbarer Produktionen der Zeit hinausheben.

 

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“The Hunted is filled with iconic noir imagery, from the moment it begins on the proverbial dark and stormy night. It also has a great romantic mood", schreibt Laura Grieve in ihrem Blog Laura’s Miscellaneous Musings, die den Film ebenso wie Eddie Muller, Gründer der Film Noir Foundation und Autor von Dark City: The Lost World Of Film Noir (EA 1998), über alle Maßen schätzt. Im Jahr 1948 war der 35-jährige Autor des Drehbuchs, Steve Fisher (I Wake Up Screaming / Hot Spot, USA 1941), mit der Geschichte des Film Noirs schon eng verbandelt. Jack Bernhard (Blonder Lockvogel, USA 1946) hält die Dramaturgie allemal so straff, dass sie der Eiskunstläuferin Belita die Zeit für einen fast dreiminütigen Auftritt einräumt, indessen zur rechten Zeit die obenan zitierten Fragen erneut an Bedeutung gewinnen. The Hunted ist ein B-Film, eine kleine Produktion, die den Klassikern des Film Noirs ihren Status nicht streitig macht. Dafür jedoch ist sie eine willkommene Ergänzung des Kanons, die Freunden der Filmklassik nicht zuletzt deshalb Freude bereiten wird, weil letztere bei dem über Jahre im Halbdunkel seiner Obskurität verschwundenen Films eine unerwartete ist.

 

Einzig und allein in den USA wurde der Film in einer von der Film Noir Foundation in Kooperation mit dem UCLA Film & Televsion Archive restaurierten Fassung via Warner Archive Collection als DVD-R (2014) veröffentlicht, mit dem Film ungekürzt im Originalformat, bild- und tontechnisch sehr gut und mit der original englischen Tonspur ohne Unteritel und ohne Extras.

 


Film Noir | 1948 | USA | Jack Bernhard | Steve Fisher | Charles McGraw | Frank Ferguson | Preston Foster | Belita

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