Banktresor 713

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Bewertung
***
Originaltitel
Banktresor 713
Kategorie
Film Noir
Land
GER
Erscheinungsjahr
1957
Darsteller

Martin Held, Hardy Krüger, Nadja Tiller, Hildegard Grethe, Helga Martin

Regie
Werner Klingler
Farbe
s/w
Laufzeit
86 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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Berlin im Viermächte-Status: Im Hinterhof einer Wohnanlage spielt ein Leierkastenmann, als Vera (Nadja Tiller) die kleine Christa (Margrit Reismann) mit anderen Kindern beim Ballspielen erspäht. Erst tut sie, als habe sie Christas Geburtstag vergessen, aber jene erblickt das Paket in Tante Veras Arm, und so verabreden sie sich in der Wohnung von Frau Burkhardt (Hildegard Grethe), Christas Oma. Tatsächlich ist Vera nicht Christas Tante sondern mit Herbert Burckhardt (Martin Held) verlobt, ehemals Munitionsfahrer der Wehrmacht, der nach zwei Jahren im Krieg und sechs Jahren in russischer Gefangenschaft erst spät den Weg in die junge Bundesrepublik Deutschland fand. Zusammen mit ihm und Herberts jüngerem Bruder Klaus (Hardy Krüger) lebt auch Christa in der Wohnung ihrer Oma. Vera dekoriert den Geburtstagstisch, und Frau Burkhardt lobt ihren Einsatz für die Kleine, schließlich habe sich Christas Mutter, bevor sie Herbert davonlief, nie derart um ihre Tochter gekümmert. Vera erkundigt sich nach verschiedenen Bewerbungsgesprächen, die der arbeitssuchende Herbert absolvieren wollte, aber seine Mutter weiß bereits, dass er überall abgelehnt wurde. Sie selbst, so sagt sie, verliere langsam den Mut, und Vera sinniert, dass jener Überbrückungskredit zum Zweck der Beendigung seines Studiums für Herbert schlicht ideal wäre. Zur gleichen Stunde wird Herbert Burkhardt darüber in Kenntnis gesetzt, dass sein Kreditantrag abgelehnt wurde, da er leider keine ausreichenden Sicherheiten habe nachweisen können…

 

“So finden sich Film Noir und Melodram zu einer Be­standsaufnahme der seelischen Verfasstheit des Adenauerlands“, informierte der Düsseldorfer biograph Verlag anlässlich einer Kinovorführung über Werner Klinglers Ausnahmewerk, das 2017 vom Kurator Olaf Möller im Filmmuseum Wien in die Retrospektive BRD Noir aufgenommen worden war, die jener bewusst als Kontrapunkt wider die Klischees zum bundesrepublikanischen Kino der 50er Jahre zusammengestellt hatte. Banktresor 713 erzählt vom Schicksal der Berliner Brüder Herbert und Klaus Burkhardt. Indessen der eine sich als Autowäscher verdingt, bekommt Herbert, der Ältere, nach acht Jahren in Krieg und Gefangenschaft in der BRD des Wirtschaftswunders keine Stelle. Allein mit Schulterklopfen und gönnerhaft an den Veteranen gezahlten Almosen soll er sich begnügen. Für die Fortsetzung seines vor dem Dasein als Wehrmachtssoldat begonnenen Studiums des Bauingenieurwesens fehlt ihm das Geld, das er von seiner Freundin Vera, die ihm anbietet bis zu seinem Studienabschluss gemeinsam von ihrem Lohn zu leben, nicht annehmen will. So leitet ihn die Frustration über die konstante Ablehnung, die er seit nun zwei Jahren in Bewerbungsgesprächen erfahren muss, zu einer irreversiblen Entfremdung von der Heimat und zur Einsicht, dass die fehlende Empathie und Kälte der jungen Bundesrepublik womöglich tief verwurzelt liegt. Herbert entschließt sich, in den Tresor einer Bank einzubrechen und mit der Beute ins Ausland zu fliehen. Die frischgebackene Demokratie und ihre von Egoismen und vom Verteilungskampf gezeichnete Spießbürgerlichkeit will er hinter sich lassen. Es braucht keine Überredungskunst, um den von der Aussichtslosigkeit seines Daseins als Autowäscher und vom Sozialneid infizierten Bruder Klaus zu überreden ihm zur Seite zu stehen. Der Plan für den Bankraub, dessen Inszenierung von Jules Dassins Rififi (FRA 1955) mitbeeinflusst wurde, und die im Spannungsaufbau gelungene Dramaturgie in der Handlungsentwicklung wissen ebenso wie die Hauptdarsteller zu überzeugen. Es sind die Nebenstränge und ihre Akteure, die den Film dennoch ins Mittelmaß hinabziehen.

 

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„Manchmal hab‘ ich das Gefühl, Du weißt überhaupt nicht, wo Du hingehörst.“ – „Genau so ist es. Wundert Dich das? Ich glaube an nichts mehr. Weder an Recht noch an Moral.“ Ausgerechnet Herbert Reinecker, der später als Autor fürs Fernsehen allein 281 Episoden (!) für die deutsche Erfolgsserie Derrick (GER 1974-1998) verfasste, zeichnet in Banktresor 713 via West-Berlin das Bild eines Bundesrepublik, der ihre Verlierer herzlich egal sind. Was ihm und Regisseur Wener Klingler weniger gelingt, sind überzeugende Familien- und Liebesbande, welche die private Sphäre, Ausgangslage und Nährboden der Kriminalhandlung, glaubwürdig erscheinen ließen. Herbert Burkhardt hat mit Christa eine ungefähr fünf- oder sechsjährige Tochter, - wie und wann trotz Gefangenschaft seine erste Ehe und die Vaterschaft stattfinden konnten, lässt der Film offen - aber sein Verhältnis zu ihr ist nicht ansatzweise väterlich. Ebensowenig hat er mit Vera, porträtiert von der über 20 Jahre jüngeren Nadja Tiller, die mindeste Chemie. Warum sie ausgerechnet ihn heiraten will, erscheint (zumindest aus heutiger Sicht) geradezu rätselhaft. Auch von Hardy Krüger trennen Martin Held fast 20 Jahre; als Brüder lebten sie kaum je unter einem Dach. Zudem ist Hildegard Grethe, die Mama Burkhardt verkörpert, lediglich 9 Jahre älter als ihr eigener Sohn Herbert… All das ist im Film spürbar und sorgt für Sand im Getriebe, weshalb Banktresor 713 mit Blick aufs Ensemble und deren Rollencharaktere deutlich schwächer als Vergleichswerke à la Side Street (USA 1950), Steckbrief 7-73 (USA 1951), Die goldene Pest (GER 1954) oder eben Rififi (FRA 1955) abschneidet, wo derlei Details, sorgsam und präzise gezeichnet, für je eine stimmige und prägnante Darstellung aller Beziehungen sorgen. Martin Held in der Hauptrolle, der eine starke Leistung zeigt, kann den Film allein nicht retten. Schade!

 

Es gibt eine empfehlenswerte DVD-Ausgabe (2017) in der Reihe Juwelen der Filmgeschichte der Fersehjuwelen GmbH mit dem Film ungekürzt im Originalformat, bild und tontechnisch gut restauriert und mit dem deutschen Originalton, inklusive eines Booklets mit Filmessay, Fotos und Biografien, leider aber ohne jegliche Untertitel.

 


Film Noir | 1957 | International | Werner Klingler | Hardy Krüger | Nadja Tiller

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