Johnny Midnight

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Bewertung
****
Originaltitel
Johnny Midnight
Kategorie
Post Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1960
Darsteller

Edmond O’Brien, Yuki Shimoda, Arthur Batanides, Barney Philips, John Gallaudet

Regie
Robert Stevens, John English, David Orrick McDearmon
Farbe
s/w
Laufzeit
ca. 1170 Minuten
Bildformat
Vollbild

 


 

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Der deutsche Immigrant und Ingenieur Konrad Morgan (John Wengraf) fährt von New York mit dem Schnellzug Québec Limited zu genau der Stadt in Kanada, die dem Zug ihren Namen gab. Auf dem Korridor zu seinem Abteil spricht ihn der Schaffner (Scatman Crothers) an und fragt, ob er zum Frühstück geweckt werden wolle, doch ein sichtlich nervöser Konrad Morgan verneint und zieht sich zurück… Der ehemalige Theaterleiter und heutige Privatdetektiv Johnny Midnight steigt in Manhattan, New York, vor dem Midnight Theater auf der West 44th Street aus dem Taxi. Genau hier bewohnt er selbst ein luxuriöses Penthouse mit Blick über die Metropole. Darin tigert sein Hausdiener Aki (Yuki Shimoda) in Hut und Mantel auf und ab, denn er will heute Abend noch verreisen, als Johnny Midnight endlich durch die Tür kommt und ihn offiziell in die Ferien verabschiedet. Eine Mrs. Simone Morgan (Viveca Lindfors) habe angerufen, teilt Aki noch mit. Sodann verschwindet er durch den Hintereingang, als jene Mrs. Morgan auch schon vor der Wohnungstür stehend klingelt. Midnight lässt sie trotz der späten Stunde eintreten und sie entschuldigt sich für ihren spontanen Besuch. Ihr Ehemann, Konrad Morgan, sei trotz ihrer Bitten auf dem Weg nach Québec und in Lebensgefahr. Die Polizei und auch andere, die sie um Hilfe gebeten habe, hätten ihr Ersuchen abgelehnt, und sie befürchte das Schlimmste. Um Konrad Morgan in Québec abzupassen, begibt sich Midnight mit seinem Freund Bassett (Alain Caillou) zum Idlewild Airport

 

“Yes, he was a sad, brave little man who only wanted to find what was left of his future. But his future had run out on him, and what he found was death.” Die inklusive des Vor- und Abspanns etwa 26-minütigen Episoden von Johnny Midnight bieten mit Blick auf ihre Kriminalgeschichten nicht mehr (und nicht weniger) als andere dem Film Noir nachfolgende TV-Serien der späten 50er Jahre um einen Privatdetektiv als zentrale Figur und erscheinen daher oft unglaubwürdig oder fast schon banal. Ein Hauptgrund dafür liegt in der Kürze des Formats, wovon die Serie auf dem Fernsehbildschirm daheim stets betroffen war, will sie in 25 Minuten eine Geschichte in Bild und Ton so ausfeilen, dass vom Verbrechen bis zu dessen Auflösung wirklich alles stimmig erscheint. In unserem 21. Jahrhundert, darin das Fernsehen genau das Gegenteil, nämlich eine der epischen Erzählung geschuldete und auf viele Stunden ausgedehnte Spielzeit für sich entdeckte, wirkt es nochmals befremdlicher. Häufig ertappt man sich bei dem Gedanken, dass es so nie und nimmer funktionierte und dass die vielen Koinzidenzen, die in der TV-Serie wegen ihrer Beschränkung auf weniger als eine halbe Stunde zwangsweise notwendig sind, schlicht nerven. Nicht die Serie sondern ihre Figur Johnny Midnight, von Film-Noir-Ikone Edmond O’Brien brillant verkörpert, stolpert häufig eher in die Auflösung, als dass er sie dank detektivischen Spürsinns für die Zuschauer entdeckt. In den späten 50er Jahren schien solches weder die TV-Produktion noch deren Publikum s zu stören, waren es doch gerade die hochwertigen Serien, die das hier genannte Manko durch andere Faktoren wettmachten, denen oft eine kurze Lebensdauer beschieden war. Ebenso wie der dank ihres bemerkenswert fortschrittlichen Blicks aufs Großstadtleben ungewöhnlichen Serie Decoy (USA 1957-58) mit Beverley Garland und der mit John Cassavetes erstklassig besetzten Produktion namens Johnny Staccato (USA 1959-60), ebenfalls Privatdetektiv im nächtlichen New York, war für Johnny Midnight im September 1960 nach einer einzigen Staffel mit 39 Episoden Schluss.

 

“An appealing but largely overlooked syndicated series, Johnny Midnight began with the strains of “Lullaby on Broadway” and a shot of wet, dark streets, from which the familiar figure of O’Brien emerges”, schreibt Derek Sculthorpe in seinem Buch Edmond O’Brien - Everyman of Film Noir (EA 2018), einer Wertschätzung des im Film Noir in vielen Klassikern in Schlüsselrollen präsenten Schauspielers. Im Alter von 45 Jahren und mit anfangs zu vielen Pfunden auf den Rippen schloss O’Brien, der in der zweiten Hälfte der 50er Jahre so wie der Film Noir selbst an Popularität und damit an Hauptrollen eingebüßt hatte, mit seiner Verkörperung des Private Eyes Johnny Midnight an sein Ensemble von Figuren der 40er und frühen 50er Jahre an. Mit einigen Gaststars aus jener Hochzeit des Film Noirs - darunter Mike Mazurki (Murder, My Sweet, USA 1944), June Vincent (Vergessene Stunde / Schwarzer Engel, USA 1946) und Andrea King (Ride The Pink Horse, USA 1947) - erweist sich Johnny Midnight in jeder Episode als atmosphärisch dicht und in den Dialogen bewusst cool und weltweise. Nein, nicht unbedingt die Handlungslogik, sehr wohl aber die Rollencharaktere heben solche Fernsehserie im Kielwasser klassischen Film Noirs, die zu keiner Zeit in Deutschland oder im deutschsprachigen Raum ausgestrahlt wurde, durchaus über den Durchschnitt. Empfehlenswert!

 

Bis heute (2021) gibt es trotz fortschreitender Entdeckungen auch im Bereich des TV Noirs der 50er und 60er Jahres des letzten Jahrhunderts keine BD- oder DVD-Edition dieser TV-Serie, auch online läuft sie nirgendwo.

 


Post Noir | 1960 | USA | David Orrick McDearmon | John English | Robert Stevens | Benjamin H. Kline | Lionel Lindon | Anthony Caruso | Carl Benton Reid | Edmond O'Brien | James Flavin | John Eldredge | John Hoyt | Mike Mazurki | Paul Dubov | Perry Lopez | Philip Ahn | Phillip Pine | Robert Warwick | Russ Conway | Tol Avery | Walter Burke | William Schallert | Andrea King | Carol Ohmart | Dorothy Green | June Vincent | Maxine Cooper | Virginia Gregg | Viveca Lindfors

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