Picture Claire

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Bewertung
***
Originaltitel
Picture Claire
Kategorie
Neo Noir
Land
CAN
Erscheinungsjahr
2001
Darsteller

Juliette Lewis, Gina Gershon, Mickey Rourke, Callum Keith Rennie, Kelly Harms

Regie
Bruce McDonald
Farbe
Farbe + s/w
Laufzeit
91 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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Montreal, Québec, in Kanada: Zwei Männer legen Feuer im Apartment von Claire Beaucage (Juliette Lewis) und treten lachend aus der Tür. Als die Bewohnerin nach Hause kommt, kann sie mit Mühe noch einige ihrer Habseligkeiten retten, bevor sie mit anderen Passanten auf der Straße stehend zuschaut, wie die Feuerwehr ihre ausgebrannte Wohnung löscht. Unter jener Handvoll Dinge, die ihr bleiben, ist auch eine Postkarte, auf die der Fotograf Billy Stuart (Kelly Harms), mit dem Claire vor kurzem eine Nacht verbrachte, seine Adresse in Toronto notiert hat. Er hatte sie aufgefordert, ihm nach Toronto nachzufolgen, aber Claire, die in Montreal heranwuchs und ihr ganzes Leben dort verbrachte und zudem kein Englisch spricht, hatte das abgelehnt. Nun aber packt sie ihre wenigen Sachen und besteigt einen Schnellzug, der sie kurzerhand in Torontos Union Station bringt. Hier versucht sie ihr Sammelsurium von Haushaltsgegenständen und einen Koffer bei der Gepäckaufbewahrung zu deponieren, was ihr am Ende deshalb gelingt, weil der Schalterbeamte (Dean McDermott) kein Französisch spricht… Kurz darauf ist Claire auf dem Weg zu Billy Stuarts Wohnung unmittelbar am Kensington Market, wo sie mit ihrer Postkarte in Händen und dank der Wegbeschreibung einer Pflastermalerin (Sonja Mills) schließlich ankommt. Nach vergeblichem Klingeln, stellt sie fest, dass die Haustür offensteht und geht hinein. Auf dem Weg in die dritte Etage sieht sie eine Frau (Gina Gershon), die in ihre im zweiten Stock befindliche Wohnung tritt…

 

“Picture Claire, a noir-ish thriller intended for wide release (…) debuted to tepid reviews and was not released to theatres, which was obviously a disappointment (…) to McDonald and the producers“, schreibt Paul McEwan in seinem Buch Bruce McDonald’s Hard Core Logo (EA 2011) über den Neo Noir seines kanadischen Autors und Regisseurs. Tatsächlich ist der Film nach einem Drehbuch von Semi Chellas in der Tradition jener coolen US-amerikanischen Neo Noirs der 90er Jahre inszeniert, darin die Subkultur der ewig jungen Slacker und der Liebhaber des Alternative Rocks sich mit der Neon-Ästhetik der Großstadt paart, so wie es für Alan Rudolphs Equinox (USA/CAN 1992), Steven Soderberghs Die Kehrseite der Medaille (USA 1995), oder für Jake Kasdans Zero Effect (USA 1998) typisch gewesen war. In Picture Claire vollzieht sich Handlung an Orten für Hipster, etwa der Vernissage einer Fotoausstellung, und zu einem Soundtrack von Cat Power, Gorillaz, Manu Chao, St. Germain oder der Hauptdarstellerin Juliette Lewis, die mit einer Coverversion von Traffics Feelin‘ Alright zu hören ist und die ab 2004 auch als Rocksängerin aktiv wurde. Lewis hatte 10 Jahre zuvor in Martin Scorseses Kap der Angst (USA 1991), dem Remake von J. Lee Thompsons Ein Köder für die Bestie (USA 1961), und im Anschluss in Peter Medaks Neo Noir Romeo Is Bleeding (USA/UK 1993) ihr Schauspieltalent bewiesen. So zeigt sich Picture Claire über weite Strecken als pfiffiger Thriller in der nächtlichen Metropole Toronto, fein inszeniert und gut besetzt. Sogar die exzessive Verwendung des Split Screens, um die Dynamik der Filmhandlung voranzutreiben, die Nutzung von Schwarzweiß und sogar Tricktechnik, um Träume und Gedanken visuell darzustellen, haben mich nicht sehr gestört: Bruce McDonalds beweist als Regisseur einen eigenen Stil. Die Probleme des Films holen ihn jedoch rasch ein und verderben einem den ungetrübten Genuss.

 

Die kanadischen Städte Montreal in Québec und Toronto, Hauptstadt der Provinz Ontario, liegen per Zug knapp über 5 Stunden auseinander. Québec ist jedoch eine französischsprachige und Ontario eine englischsprachige Region, und darauf gründet sich ein zentrales Element des Films. Denn die in Montreal aufgewachsene Claire Beaucage spricht kein Englisch, kein einziges Wort. Das ist mit Blick auf das bilinguale und multikulturelle Kanada keinesfalls unrealistisch, obgleich man sogar in Toronto hin und wieder versuchen könnte Französisch zu sprechen, nur spricht Claire Beaucage (fast) überhaupt nicht, sie wirkt eher wie stumm. Dies mag wiederum daran liegen, dass Juliette Lewis kein Französisch sprach / spricht. Als eine junge Frau mit Muttersprache Französisch überzeugte sie zumindest mich nicht ansatzweise. Zum zweiten sind die Rollencharaktere längst nicht so besonders, wie sie selbst (und vielleicht ihr Autor) von sich glauben. Als ein Thriller bewegt sich der Film im Kontext der kunstvoll gesetzten Abfolge von Ereignissen einer Nacht, darin die ahnungslose Claire von einem Fettnäpfchen ins nächste tappt. Aber jene Kleinkriminelle, die Claire letztendlich ist, erweist sich als Egoistin mit Schmollmund, eine tendenziell unsympathische Schmarotzerin, die sogar kleinen Hunden feindlich begegnet und deren Fremdsein in der Welt, das sie im Rekurs auf ihre Kindheit mit der Metapher vom Mond zu stammen illustriert, sie mir als Zuschauer auch nicht näherbrachte. Mickey Rourkes Auftritt dauert 5 Minuten, Gina Gershon ist wie immer zuverlässig, Callum Keith Rennie ist richtiggehend klasse, doch ihre Charaktere sind Gangster aus der Drehbuchschublade, die man im Nu wieder vergessen hat. Ja, hin und wieder blitzt etwas Potential auf, aber der versöhnliche Schlusspunkt dieses Neo-Noir-Märchens hat mir nur ein Gähnen entlockt.

 

Sowohl als BD-Ausgaben (2017) als auch auf DVD ist der Film unterm Neo Noir Picture Claire via Edel Germany GmbH als auch durch die Deutsche Austrophon GmbH im Originalformat mit sowohl der original englischen Tonspur als auch einer (nicht empfehlenswerten) deutschen Synchronisation, ungekürzt und im Originalformat, das Ganzeohne Extras. Eine als Lost In Toronto von der MVL – Medienvertrieb Lauenstein auf den Markt gebrachte deutsche BD- und DVD-Ausgabe (2014) zeigt auf dem Cover Juliette Lewis und Mickey Rourke in Posen von Action-Stars, die mit dem Film nichts gemein haben und falsche Erwartungen wecken.

 


Neo Noir | 2001 | International | Bruce McDonald | Callum Keith Rennie | Mickey Rourke | Gina Gershon | Juliette Lewis

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