Jaguar packt zu

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Bewertung
**
Originaltitel
Passport To Treason
Kategorie
Film Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1956
Darsteller

Rod Cameron, Lois Maxwell, Clifford Evans, Peter Illing, Marianne Stone

Regie
Robert S. Baker
Farbe
s/w
Laufzeit
78 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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London, England: Privatdetektiv Michael O’Kelly (Rod Cameron) behandelt normalerweise Fälle wie Untreue unter Eheleuten oder vermisste Kinder. Aktuell ist er in einer nebligen Nacht aber auf dem Weg zu einem Freund aus Kriegszeiten namens Benedict Conner, der ein Auskunftsbüro betreibt und O’Kelly um seine Hilfe bat. Noch auf der Straße zündet er sich unter einer Laterne eine Zigarette an, als er Schritte hört und aufgrund des Nebels hintereinander drei Leute in ihn hineinrennen, von denen sich einer mit “Scusi, signore!“ bei ihm entschuldigt. Als Mike O’Kelly sich nach seinem Hut bückt, findet er daneben den Reisepass von Amedeo Sacchi (Derek Sydney), den er an sich nimmt. Er betritt das Haus, geht in den ersten Stock und findet die Tür zu Conners Büro offen. Als er eintritt, bemerkt er schon im Vorzimmer, dass alles durchwühlt wurde, und im Büro des Freundes entdeckt er hinterm Schreibtisch auf dem Boden dessen Leiche. In diesem Augenblick kommt auch Miss Jones (Marianne Stone), Benedict Conners Sekretärin, zur Tür herein und ist schockiert. Sie wusste, dass ihr Chef bei Michael O’Kelly um Hilfe in einem Fall angefragt hatte, ist aber nicht näher darüber informiert. Die beiden sind im Vorzimmer, als das Telefon klingelt und ein Giorgio Sacchi (Peter Illing) O’Kelly, den er für Benedict Conner hält, in den Stella Lipari Club bestellt. Der Privatdetektiv zeigt Miss Jones Amedeo Sacchis maltesischen Reisepass. Anhand des Fotos identifiziert sie ihn als einen Besucher, der in der letzten Woche vor Ort war…

 

Der in Kanada gebürtige Schauspieler Rod Cameron war seit den frühen 40er Jahren ebenso wie Bill Elliott (Dial Red 0, USA 1955) auf B-Produktionen im Genre des Westerns spezialisiert, von denen er bis in die frühen 50er Jahre 3 bis 5 pro Jahr abdrehte. Wenn er Sporen und Stetson mal daheim ließ, trat er in Abenteuerfilmen auf, denn Rod Cameron beherrschte als Schauspieler den Haudegen, indessen ihm subtile Noten eher schwerfielen. Mit Beginn der 50er Jahre begann sein Stern zu sinken. Der inzwischen etwas beleibte und für sein Alter von knapp über 40 älter aussehende Cameron trat im Anschluss an die TV-Serie City Detective (USA 1953-55) in einem Film Noir auf, in R.G. Springsteens Double Jeopardy (USA 1955), einer B-Produktion der Republic Pictures. Im Anschluss folgte er jenen US-amerikanischen Kollegen, deren Ruhm in den 50er Jahren verblich, deren Namen jedoch für englische Film Noirs der zweiten Reihe gut genug waren. George Brent, Paul Henreid, Scott Brady, Dane Clarke und Lizabeth Scott waren in Filmen der britischen Hammer Films oder für die Mid Century Film Productions von Monty Berman und Robert S. Baker aufgetreten. Letztere agieren bei Jaguar packt zu nicht nur als Produzenten sondern je auch als Kameramann und als Regisseur. An Camerons Seite tritt als Femme fatale Diane Boyd die ebenfalls aus Kanada stammende Lois Maxwell in Erscheinung, die ab James Bond 007 jagt Dr. No (UK 1962) weltweit als Miss Moneypenny in Erinnerung blieb. Maxwells Filmkarriere in England, Italien und in den USA hatte schon 1946 begonnen und beinhaltete mehrere Film Noirs, bevor sie in Jaguar packt zu die beste darstellerische Leistung des Films lieferte. Im Übrigen ist an der Verfilmung des Romans Passport To Treason (EA 1955) des irischen Kriminalschriftstellers Paddy Manning O’Brien nicht viel bemerkenswert.

 

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© Renown Pictures Ltd.

“I am a private investigator. If you think that’s exciting, you’re way off.“ Der Film, welcher mit dem Erzähler aus dem Off anhebt, der mit sonorer Stimme vom Leben als Private Eye im London der 50er Jahre berichtet, möchte gern ein Film Noir nach US-amerikanischem Vorbild sein. Und das Drehbuch von Kenneth R. Hayles und Norman Hudis wäre gern so clever wie jene nach Vorlagen Graham Greenes, der in dem Roman Ministerium der Angst (EA 1943) zentrale Elemente der Filmhandlung von Jaguar packt zu in auffälliger Weise vorwegnahm, etwa eine von Nazis im Untergrund durchsetzte und als Tarnung genutzte Vereinigung zugunsten von Wohlfahrt und Weltfrieden. Doch in Jaguar packt zu darf sich der Zuschauer im Nachhinein keineswegs fragen, warum sich die Rollencharaktere im Rahmen der Handlungsentwicklung genau so und nicht anders verhielten. Schnell kommt man darauf, dass diese Handlung im Grunde keinen Sinn ergibt. Weder die Existenz eines Dossiers mit jenen Mitgliedern der International League for World Peace, die Nationalsozialisten sind, ergibt einen Sinn, noch werden die Ziele der Vereinigung deutlich. Was wollen die Gangster überhaupt? Warum hindern sie einen kleinen Ganoven an der Flucht nach Italien? Wozu dient das Zahlenrätsel auf der Innenseite eines Buchumschlags, außer dass es die Anzahl der Nazi-Mitglieder offenbart? Die Löcher in der Handlungslogik sind so zahlreich, dass für etwas wie Logik gar keine Zeit bleibt, sondern die Geschichte nur ein Strohfeuerwerk aus Klischees der Kriminal- und Spionageliteratur darstellt. Jede von Enid Blyton mit ihren immergleichen Zutaten versehene Erzählung der Kinderbbuchreihe Fünf Freunde (EA 1942-63) hat mehr Substanz als solche 80 Minuten Möchtegern-Film-Noir mit seinen zweitklassigen Darstellern und einer unfassbar banalen Geschichte.

 

Der Film ist via Renown Productions unterm Originaltitel Passport To Treason Teil einer 10 Filme umfassenden 3-DVD-Box (2017) namens The Renown Pictures Crime Collection Volume One und zwar ungekürzt und im Originalformat mit der original englischen Tonspur, bild- und tontechnisch solide, wenngleich nicht brillant, ohne Untertitel und ohne Extras.

 


Film Noir | 1956 | UK | Robert S. Baker | Monty Berman | Ballard Berkeley | Lois Maxwell | Marianne Stone

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