Dennis O’Keefe, Judith Anderson, Frances E. Neal, Mildred Coles, Eric Blore
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© Warner Bros.
Chicago, Illinois: Die Vermögensberater und Börsenmakler Pierce-Abel & Pierce haben ihre Räumlichkeiten im dritten Stockwerk des Chicago Securities Buildings. Es ist spät am Abend und lediglich eine Putzkraft, wie es scheint, ist auf den Fluren noch unterwegs. Tatsächlich weilt James A. Pierce (Huntley Gordon) selbst noch in seinem Büro und ist in ein Telefonat vertieft. Die Putzfrau (Judith Anderson) hat einen Schlüssel und tritt ein. Pierce erklärt, dass sie ruhig ihre Arbeit beginnen möge, er sei eh gleich fort. Zu spät bemerkt er, wie sich die Frau ihm plötzlich mit einer Pistole im Anschlag nähert. Kurz darauf sitzt der Makler vor dem Safe seiner Firma, und während ihm Mrs. Slade ihre Pistole vor die Nase hält, muss der Mann ihrem Komplizen Mullen (Horace McMahon) die Kombination diktieren, indessen Lefty Landers (Marc Lawrence), Big Semenoff (Harry Burns) und Matt Willis (Arthur Shield) ebenfalls mit gezückten Pistolen an den Türen Schmiere stehen. In einem Büro nebenan gelingt es einem auf dem Boden liegenden, gefesselten Wachmann (Harry Humphrey) den Telefonhörer vom Schreibtisch zu Boden zu befördern und einen Hilferuf an die Polizei abzusenden. Als die Gangster mit ihrer Beute das Büro verlassen, erschießt die als Putzfrau verkleidete Slade den wehrlosen James A. Pierce. Doch draußen im Korridor hören sie bereits die Sirenen der Streifenwagen herannahen. Slade gibt Mullen die Instruktion, das Geld wie zuvor an ein Hotel in New York zu senden, wohin die Bande sich begeben werde…
“The movie’s entertaining enough, but (…) its resolute mediocrity is puzzling: RKO could do so much better than this, and often with lesser casts”, schreibt John Grant für seine Website Noirish, und es ist allemal noch untertrieben. Frank Woodruffs sechste Regiearbeit für RKO Radio Pictures, die mit Judith Anderson, Dennis O’Keefe, Marc Lawrence und Arthur Shields exzellente Schauspieler in Haupt- und Nebenrollen vorweisen kann und dazu den phänomenalen Kameramann Nicholas Musuraca (Goldenes Gift, USA 1947) verpflichtete, ist ein Hybrid, der in allen Registern wenig bis nichts zu bieten hat. Der Auftakt, seine ersten 8 Minuten, sind Film Noir und Gangsterfilm in Reinkultur und im Hinblick auf die Hinrichtung James A. Pierces für die Zeit seiner Entstehung von ungewöhnlicher Härte. Aber sobald Police Lieutenant Bill Mason (Dennis O’Keefe) und Fotojournalistin Ann Rogers (Frances E. Neal) erstmals aufeinandertreffen und ihre klischeehafte, peinlich altbackene Screwball-Comedy-Imitation abziehen, ist es kaum zu ertragen. Der Film wechselt das Register, möchte mit humorigen Einlagen den Ton leichter und heiterer gestalten, aber das geht völlig schief. Weder sind die Witze annähernd witzig, noch geht dies mit dem Rollencharakter namens Mrs. Slade einher, der eindeutig nach dem Vorbild abgebrühter Hollywood-Gangster der 30er gestrickt ist. Schon der Filmtitel Lady Scarface soll an den 9 Jahre zuvor erfolgreichen Gangsterfilm Scarface (USA 1932) von Howard Hawks erinnern, und Judith Anderson ist genau die Schauspielerin, um Paul Muni als Antonio “Tony“ Camonte das Wasser zu reichen. Randnotiz: Dennis O’Keefe hatte in Scarface als Besucher eines Nachtclubs eine Nebenrolle inne und kannte Judith Anderson aus Rowlands Browns Blood Money (USA 1933), darin Anderson an der Seite George Bancrofts die weibliche Hauptrolle verkörperte. In Lady Scarface werden die beiden ins Korsett einer Handlung und einer Inszenierung gezwungen, welches ihren Talenten und Möglichkeiten nicht ansatzweise gerecht wird.
“Lady Scarface (…) doesn’t live up to the promise of its title and star (…) and it was hard not to pine for what could have been,” schlussfolgert auch Kendahl Cruver für Watching Classic Movies. Für mich gaben zuletzt die täppischen Witzfiguren Art Seidel (Andrew Tombe), ein New Yorker Hoteldetektiv, und Mr. Hartford (Eric Blore), Inhaber einer Tierhandlung, die sich wegen der Lieferung von zwei Terriern ins Leonard Sheldon Hotel ständig in die Wolle kriegen, eine Art “Running Gag“ des Films, der Geschichte den Rest. Als Dreingabe zum ohnehin pseudowitzigen Schlagabtausch zwischen Mason und Rogers ist deren Niveau von Slapstick das untere Ende der Fahnenstange. Wir erleben in einem Film, darin Judith Anderson und ihre Gang sich in jeder Szene abmühen ihre Rollencharaktere in deren Ruchlosigkeit glaubwürdig darzustellen, seitens Tombe und Blore eine billige Schmierenkomödie. Ich musste mich beizeiten an die Stirn fassen, so mies sind das Schauspiel und die Inszenierung, sobald es um die vermeintlich lustigen Einlagen im Film geht. Mein Fazit: Lady Scarface ist auf ganzer Linie missraten und selbst für hartgesottene Freunde der Filmklassik trotz nur kurzer Laufzeit verzichtbar.
Eine DVD-R (2020) der Warner Archive Collection von Warner Bros. aus den USA (Regionalcode 1) ist bild- und tontechnisch mittelprächtig und bringt den Film ungekürzt im Originalformat und mit dem englischen Ton ohne Untertitel und ohne Extras.











