Bob Hoskins, Cathy Tyson, Michael Caine, Robbie Coltrane, Clarke Peters
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© Koch Media GmbH
London, England: Nach sieben Jahren im Gefängnis ist George (Bob Hoskins) wieder auf freiem Fuß. Er läuft in der Morgendämmerung mit seinen Habseligkeiten in einem wattierten Umschlag unterm Arm über die Waterloo Brigde, bevor er nach Sonnenaufgang auf einer Bank im Hyde Park eine Rast einlegt. Als er im Stadtteil East Dulwich im Südosten Londons ankommt, wo seine Familie lebt, kauft er bei einem Obst- und Blumenverkäufer einen Strauß für seine Ehefrau (Pauline Melville). Sichtlich gestresst, als er die von Passanten und Kindern belebte Wohnsiedlung entlangläuft, bleibt er stehen und klopft an eine Haustür. Ein Teenager in Schuluniform öffnet ihm, nämlich Georges Tochter Jeannie (Zoë Nathenson), der er sprachlos die Blumen entgegenstreckt, während sie verwirrt nach ihrer Mutter ruft. Diese kommt aus dem halbdunklen Flur herbeigelaufen, erkennt George und brüllt ihm voller Verachtung entgegen, dass er hier immerzu unerwünscht sei. Es kommt zum Streit, bei dem Jeannie versucht ihre Mutter daran zu hindern, dem Vater die Tür vor der Nase zuzuschlagen, was ihr schließlich aber gelingt. Vor dem Haus rastet George völlig aus, schleudert vor einem Dutzend Schaulustiger erst die Blumen gegen die Haustür, dann den Mülleimer und tritt noch den Inhalt eines zweiten auf den Gehsteig. Als ihn ein junger Schwarzer (Stephen Persaud) darauf anspricht, packt George jenen am Kragen und wird im letzten Moment von seinem alten Kumpanen Thomas (Robbie Coltrane) daran gehindert, eine Schlägerei anzuzetteln…
“Mona Lisa was described as a neo-noir; (…) and if you’ve got the stomach for a brutal depiction of the darker side of London, Mona Lisa doesn’t so much engage you with a smile as rabbit-punches you in the gut”, schreibt Eddie Harrison für Film-Authority.com, und das trifft, wie ich finde, den Nagel auf den Kopf. Dies ist nach John Mackenzies Rififi am Karfreitag (UK 1980) der Film, der Bob Hoskins‘ Ruf als Schauspieler von Weltrang zementierte, nachdem der 1 Meter 63 große, stämmige Brite, Jahrgang 1942, samt Cockney-Akzent so ziemlich in jeder Hinsicht das Gegenteil eines Filmstars aus Hollywood, ab 1972 in Film und Fernsehen zu Ansehen gelangt war. Für seine Verkörperung des ex-Häftlings und Kleinkriminellen George, der im Auftrag des Zuhälters Mortwell (Michael Caine) die Edel-Prostituierte Simone (Cathy Tyson) in seinem 1962er Jaguar MK II von Kunde zu Kunde durch London chauffiert, wurde Hoskins für den Oscar als Bester Hauptdarsteller nominiert. Letzteren erhielt er nicht, dafür aber 10 (!) internationale Filmpreise von hohem Renommé, etwa den Darstellerpreis der Filmfestspiele von Cannes 1986. Aber Hoskins ist nicht allein der Grund, warum Mona Lisa ein exzellenter Neo Noir seiner Zeit genannt werden muss, der in Nachbarschaft zu Martin Scorseses Taxi Driver (USA 1976) und Paul Schraders Hardcore – Ein Vater sieht rot (USA 1979) angesiedelt ist. Die Geschichte ist ebenso anrührend wie schockierend. Die Charaktere sind mit Empathie und Sinn für Details von ihren jeweiligen Darstellern in Szene gesetzt – Cathy Tyson, Michael Caine, Clark Peters, Robbie Coltrane sind herausragend. Zudem hat Neil Jordan einen feinen Blick für London als Schauplatz und lenkt die Linse von Kamera-As Roger Pratt (Brazil, UK/USA 1985) an alle nur möglichen und unmöglichen Orte, in denen das Drama um George und Simone sich abspielt. Während der Mitt-Vieziger sich sukzessive in das zwanzigjährige Callgirl verliebt, spannt sie ihn für ihre verzweifelte Suche nach der minderjährigen Prostituierten Cathy (Kate Hardie) ein, die kürzlich verschwand. George kennt Londons Unterwelt, doch was er zutage fördert, wird für sie beide lebensbedrohlich.
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“You can never tell with women, George. They're different. They wear skirts and like to powder their noses and when they go to heaven they get wings.” Das Ohr und das Auge für sein Milieu zeichnet den Film aus wie kaum einen zweiten seiner Zeit. Zudem verzichtet er bis zuletzt auf übertriebene Action und ein pompöses Finale à la Hollywood, bleibt stattdessen nüchtern und trocken. Damit ist er viel mehr als nur ein bis in Details stimmiges Porträt seiner Zeit. Für mich zählt er neben Peter Keglevic‘ Der Bulle & das Mädchen (AUT/GER 1985), Mike Newells Dance With A Stranger (UK 1985) und James Foleys Auf kurze Distanz (USA 1986) zu den ungewöhnlichen, überraschenden Neo Noirs seiner Zeit, die einem lange in Erinnerung bleiben und zum Nachdenken anregen. Während Neil Jordan (Marlowe, IRL/ESP/FRA/USA 2022), Michael Caine und Bob Hoskins konsequent ihre Karrieren im Kinofilm weiterverfolgten, gewann Cathy Tyson nie die Popularität, die sie sich mit ihrer Leistung in diesem Neo Noir hätte erwerben können. Alles in allem bleibt Mona Lisa ein Neo Noir aus Großbritannien, der auch im 21. Jahrhundert nichts von seiner Eindringlichkeit und seiner Relevanz verlor. Unbedingt ansehen!
Eine maximal hochauflösende Blu-ray disc (2026, 4K UHD (2160 p) in Dolby Vision mit High Dynamic Range 10) als Collector’s Edition im Media Book von Arrow Videos, Großbritannien, bietet den Film in einer herausragenden Edition. Neben der ungekürzten sowie bild- und tontechnisch exzellenten Restauration im korrekten Bildformat zählen dazu optional englische Untertitel, Audiokommentare von Bob Hoskins und Neil Jordan, Interviews mit Autor David Leland, Produzent Stephen Wooley und Regisseur Neil Jordan, der original Kinotrailer und ein Booklet mit Filmfotos und mit einem Essay von Filmjournalist Mike Sutton. Die reguläre Blu-ray disc (2015, 1080 p) und auch eine DVD-Edition (2015) von Arrow Video bieten den Film mit nahezu den gleichen Extras, abzüglich des Booklets mit dem Filmessay. Eine deutsche Blu-ray (2015) der ELEA-Media in limitierter Edition beinhaltet das Werk ebenfalls mit der englischen Tonspur und ungekürzt im Originalformat, dazu mit deutscher Kinosynchronisation und mit deutschen Untertiteln und auch mit einigen Extras.














