Jagd nach dem Malteser Falken, Die



Psychologische Verteidigung


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Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


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Bewertung
**
Originaltitel
The Black Bird
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1975
Darsteller

George Segal, Stéphane Audran, Lionel Stander, Lee Patrick, Elisha Cook jr.

Regie
David Giler
Farbe
Farbe
Laufzeit
110 min
Bildformat
Widescreen

 


 

© Columbia Pictures Corporation

San Francisco, Kalifornien:  Privatdetektiv Sam Spade jr. (George Segal) parkt seinen 1967er Dodge Polara 500, ein Cabriolet, in der Nähe seines Büros und geht Zigarre rauchend die heruntergekommene Straße entlang. Er sinniert, was für ein Erbe ihm sein Vater Sam Spade, der legendäre Private Eye, hinterlassen habe, denn er habe nie ein Detektiv sein wollen und will es auch heute nicht. Als er in den Hausflur des Gebäudes eintreten möchte, darin er sein Büro bertreibt, versuchen zwei Notfallsanitäter mit einer Bahre eine Leiche abzutransportieren, doch der Stoff reißt und der Tote fällt zu Boden. Sam Spade jr. geht weiter und trifft im Hausflur auf Police Lieutenant Warren Finley (Vic Tayback) und dessen rechte Hand, Detective Brad McCormack (Ken Swofford), die bei einer Kreidemarkierung stehen, die den Umriss des Toten markiert. McCormack schreit Spade jr. sofort an, da er ihn aufgrund des Erscheinens vor Ort für den Hauptverdächtigen hält, den es an den Tatort zurückzieht. Er wird von einem uniformierten Polizisten (Michael Santiago) unterbrochen, der den Lateinamerikaner Hernandez (Euminio Blanco) befragte. Er sei der letzte gewesen, mit dem der Tote, ein Mann namens Gutman, zu sprechen vermochte. Jener habe Hernandez gesagt, es sei schwarz und lang wie ein Unterarm. Der Cop vermutet nun, dass der Mörder entweder Araber oder Kubaner sei, und Spade jr. schaltet sich mit dem Hinweis ein, dass das wohl seine Unschuld belege. Aber Brad McCormack brüllt ihn erneut an und will ihn verhaften… 

 

Beeindruckend ist die Liste der Hollywood- und Film-Noir-Veteranen, die 34 Jahre nach Kinopremiere von John Hustons Die Spur des Falken / Der Malteser Falke (USA 1941), Geburtsstunde der Ära des Film Noirs, in solcher Hommage von Autor und Regisseur David Giler mitwirkte. Sowohl Lee Patrick als auch Elisha Cook jr. waren selbst 1941 in Hustons Regie-Debüt aufgetreten – an der Seite Humphrey Bogarts, Peter Lorres, Gladys Georges, Sydney Greenstreets, Barton MacLanes, Ward Bonds und Jerome Cowans, die 1975 alle verstorben waren. Lediglich Mary Astor hätte zur Verfügung gestanden, doch engagierte man John Abbott (Die Maske des Dimitrios, USA 1944), Signe Hasso (Ein Doppelleben / Mord in Ekstase, USA 1948), Vic Tayback (Gangster Story, USA 1959), Lionel Stander (Kennwort 777, USA 1948) und Eumenio Blanco (Goldenes Gift, USA 1947). Im Anschluss an Paul Schraders Essay Notes on Film Noir (in: Film Comment, 1972), Robert Altmans Neo Noir Der Tod kennt keine Wiederkehr (USA 1973) - nach Raymond Chandlers Roman The Long Goodbye (EA 1953, auf Deutsch 1954 als Der lange Abschied) der zweite Philip-Marlowe-Kinofilm seit 1947 - sowie Roman Polanskis Chinatown (USA 1974) hatten der Film Noir und seine Epoche plötzlich Konjunktur. Auch Buzz Kuliks Der Spürhund (USA 1973), Jack Arnolds Black Eye (USA 1974) oder Arthur Penns Die heiße Spur (USA 1975) servierten mit je einem Privatdetektiv als Protagonisten Erinnerungen an die klassische Ära des Nachkriegskinos in Hollywood - im Fall Kuliks so wie bei Altnan mit einer gehörigen Prise Humor. Als Persiflage auf den Film Noir schließt David Gilers Die Jagd nach dem Malteser Falken auch an Stephen Frears‘ Auf leisen Sohlen (UK 1971) an, die erste waschechte Film-Noir-Komödie. Was macht Giler nun aus dem Potential vor und hinter der Kamera, die von Kamera-As Philip H. Lathrop (Der letzte Zug, USA 1961) bedient wird? Nun, nichts. Rein gar nichts. Die Jagd nach dem Malteser Falken ist die schlechteste Hommage an den Film Noir, die ich jemals sah: zu 100 % spannungsarm und zu 100 % witzlos. Kein einziges Mal musste ich überhaupt nur schmunzeln. Drehbuch und Regie sind schier ein Desaster. 

 

© Columbia Pictures Corporation

“Let me just say right now, I didn’t want to be a detective. I don’t want to be a detective now.” Solche Sätze spricht Sam Spade jr. in der ersten Minute der Filmhandlung. Mit ihnen stellt er sich vor und ihnen entspricht das gesamte Werk. Weder hat Sam Spade junior Lust auf seinen Job, noch hat George Segal das mindeste Interesse an dieser Rolle. Genaugenommen ist der Sprössling Sam Spades ein unsympathischer, uninspirierter, dümmlich vorlauter Kleinbürger und damit jemand, dem niemand auch nur eine Minute lang auf der Leinwand zuschauen möchte. George Segal entwickelt keine Chemie mit der Geschichte oder mit dem Ensemble, auch nicht mit Stephane Audran, die sich als französischer Gaststar im Anschluss wenig schmeichelhaft über die Dreharbeiten äußerte, während derer Produzent Ray Stark, Hauptdarsteller George Segal sowie Autor und Regisseur David Giler Tag für Tag miteinander stritten. Es blieb zeitlebens Gilers einzige Regiearbeit, und die Gründe dafür liegen auf der Hand. Ein pointiertes und geradezu vernichtendes Resümee zu diesem Flop an der Kinokasse stammt von US-Filmkritikerin Pauline Kael und erschien anlässlich der Premiere in The New Yorker und zwar im Januar 1976: “The Black Bird is a dumb comedy, with an insecure tone (…) because so little of the humor (or the attempted humor) is organic to the subject.”

 

Bis heute (2026) gibt es von Jagd auf den Malteser Falken weltweit keine offizielle BD- oder DVD-Edition. In einigen Online-Portalen steht der Film als TV- bzw. Videomitschnitt zur Verfügung und zwar in einer Version von bescheidener Bild- und Tonqualität mit der englischen Tonspur ohne UT. Er erschien 1994 auf VHS-Video (USA) via Columbia / Tristar Studios, allerdings im falschen Bildformat (Vollbild 4:3). Aber den Film sollte man sich eh sparen.  

 

 

 

Neo Noir | 1975 | USA | David Giler | Dashiell Hammett | Philip H. Lathrop | Elisha Cook jr. | John Abbott | Lionel Stander | Vic Tayback | Stéphane Audran

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