Tom Conway, Eva Bartok, Joy Shelton, Sidney James, Richard Wattis
![]() | ![]() | ![]() | ![]() |
London, England: Beim Golfspiel tötet der Lebemann und Privatdetektiv Norman Conquest (Tom Conway) im Beisein seiner Freundin Pixie Everard (Joy Shelton) mit einem hart geschlagenen Golfball eine im Flug befindliche Brieftaube. Sie transportiert eine Botschaft, die dem namentlich nicht genannten Empfänger für den Abend ein Treffen in Zimmer 605 im Plaza Hotel in London vorschlägt. Conquest wird neugierig und beschließt, an dessen Stelle zu erscheinen. Als er um 20:00 Uhr in der Lobby eintrifft, blickt er sich um und geht zum Aufzug. Er lässt sich vom Liftboy (Tony Hilton) in den sechsten Stock des Gebäudes bringen. Als die Tür aufgeht, steht ihm die in ein Abendkleid gewandete Nadina Rodin (Eva Bartok) gegenüber, die in den Aufzug einsteigen will. Conquest ist irritiert, denn die Frau mustert ihn auffällig. Der Ankömmling macht sich auf den Weg zu Zimmer 605. Er klopft an, doch als niemand öffnet, verschafft er sich selbst mit einem Dietrich Zutritt. Der Raum liegt im Dunkeln, es ist offenbar niemand anwesend, also schaltet Conquest das Licht ein. Er überprüft das an den Salon angrenzende Schlafzimmer: auch hier ist niemand zu finden. Nun legt er seinen Hut und Mantel ordentlich auf einen Sessel, schaltet das Licht wieder aus und postiert sich hinter der Tür. Tatsächlich braucht er nicht lange zu warten, bis jemand im Schein einer Taschenlampe in den Raum tritt…
“Writing, acting and direction are by and large equally uninspired, with the screenplay as contrived and as artificial as the hero’s name”, schlussfolgert Derek Winnert, und ich kann seinem verhältnismäßig sachlichen und nüchternen Urteil nur zustimmen. Der Film ist derart langweilig und in jeglicher Hinsicht dergestalt lausig zusammengestückelt, dass ich mich beizeiten fragte, warum die sonst für einen minimalen Standard der Qualität bekannte Lippert Pictures dieses Machwerk der kurzlebigen, britischen B & A Productions im US-Kino zur Aufführung brachte. Wahrscheinlich erhoffte man sich von dem in den 40er Jahren populären, britischen Schauspieler Tom Conway, Bruder von George Sanders und von 1942 bis 1946 in 10 US-Kinofilmen der RKO Radio Pictures als Private Eye Tom Lawrence aka The Falcon dem US-Publikum bekannt, stets eine gewisse Zugkraft. Die aus Ungarn stammende Eva Bartok hatte mit ihrer Hauptrolle in Robert Siodmaks Kostümfilm zur See Der rote Korsar (USA/UK 1952) just ihren Durchbruch verbuchen können. Was hatte sie bewogen, in dieser schäbigen Produktion von sichtbar geringem Budget und grauenhaftem Humor mitzuspielen? Tom Conway war einer der härtesten Alkoholiker seines Berufsstands und starb 1967 mit nur 62 Jahren an Leberzirrhose. Sein Abstieg in das Segment der billigen Quota Quickies, wie man in Großbritannien den gesetzlich vorgeschriebenen Anteil einheimischer Filme im Kino abfällig betitelte, war 1953 in vollem Gang. Aber ist Die blonde Spionin, Verfilmung des Kriminalromans Dare-Devil Conquest (EA 1950) von Beverly Gray, überhaupt ein Film Noir? Folgt man der Entwicklung der Handlung, bejahe ich das. Ein Privatdetektiv stolpert in eine komplexe Transaktion von Diamanten nach Europa, mit deren Hilfe sich der im Dritten Reich hochrangige Nazi und längst totgeglaubte Baron von Henschel (Robert Adair) wieder in Europa anzusiedeln hofft. Eine Femme fatale stempelt Norman Conquest zum vermeintlichen Mörder, und die Dinge nehmen ihren Lauf... Doch erst im Finale macht die Geschichte ernst. Bis dahin ist vor allem der Humor zum Fremdschämen schlecht, so dass manche Szenen nur schwer zu ertragen sind.
![]() | ![]() | ![]() |
Tom Conway trat in der Folge in drei weiteren britischen B-Filmen als Privatdetektiv in Erscheinung, jeder nochmals schlechter als der vorherige. Eva Bartok spielte in ganz Europa in Produktionen von unterschiedlichster Qualität Haupt- und Nebenrollen, ohne ihre Karriere wirklich voranzubringen und beendete solche 1966 ganz. Sidney James, Joy Shelton, Michael Balfour, Anton Diffring und Ian Fleming blieben fürs britische Kino relevante Charakterdarsteller. B-Produktionen von der Art dieses banalen und minderwertigen Brit Noirs wanderten in der zweiten Hälfte der 50er Jahre zunehmend ins Fernsehen, wo neben Tom Conway auch Bernard Knowles bald sein Auskommen fand. Die beiden kooperierten inklusive Michael Balfour ein weiteres und letztes Mal bei dem Brit Noir Barbados Quest / Murder On Approval (UK 1955).
Eine DVD (2008) in The Best of British Collection von Odeon Entertainment (UK) zeigt Park Plaza 605 bild- und tontechnisch gut restauriert, ungekürzt im Originalformat, ohne Untertitel oder Extras. Eine unter dem US-Titel Norman Conquest erschienene DVD (2010) von Sinister Cinema (USA) ist ein Transfer von einer 16-MM-Kopie, daher auch von schlechter Bildqualität. Auch hier gibt es keine Untertitel oder Bonus-Features. Obwohl das Werk unter dem absurden Titel Die blonde Spionin einst sogar in deutschen Kinos lief, ist es hierzulande nie als DVD oder BD veröffentlicht worden.














