Ti aspetterò all’inferno



Psychologische Verteidigung


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Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


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Bewertung
***
Originaltitel
Ti aspetterò all’inferno
Kategorie
Post Noir
Land
ITA
Erscheinungsjahr
1960
Darsteller

Eva Bartok, John Drew Barrymore, Massimo Serato, Antonio Pierfederici, Renato Chiantoni

Regie
Piero Regnoli
Farbe
s/w
Laufzeit
90 min
Bildformat
Vollbild

 


 

 

Um drei Uhr nachts prüft ein Streifenpolizist, der sein Fahhrad über den Bürgersteig schiebt, die Verriegelung eines Rollgittertors vor einem Juwelierladen. Alles scheint in Ordnung, und er zieht von dannen. Kurz darauf stößt jemand mit einer Brechstange ein Loch in eine Wand, und im Juweliergeschäft schrillt die Alarmanlage. Der schlafende Wächter (Aristide Catoni) springt aus dem Bett, schnappt sich Pistole und Taschenlampe und sieht nach, was los ist. Er schaltet im Verkaufsraum das Licht an, und schon ist auch der Fahrradpolizist an der Tür und fragt, was passiert sei, indessen die Sirene eines herannahenden Einsatzwagens zu hören ist. Kaum ist letzterer vor dem Geschäft angekommen, betreten mehrere Beamte den Laden. Doch scheint es sich um einen Fehlalarm zu handeln. Der Nachtwächter lehnt weitere Unterstützung durch einen Beamten ab. Die Polizisten verlassen das Ladenlokal, welches der eine mit dem Fahrrad daraufhin erneut von außen verriegelt. Der Wächter geht ins Bett zurück, der Laden liegt im Dunkeln, als plötzlich hinterm Verkaufstresen eine in Polizeiuniform gekleidete Gerstalt (John Drew Barrymore) sich erhebt und die Alarmanlage ausschaltet. Der Mann geht ins rückwärtige Zimmer, wo der Wächter erneut im Schlummer liegt und zieht ihm seinen Schlagstock brutal über den Kopf. Dann öffnet er das Rollgittertor und Samuel (Antonio Pierfederici), sein Kumpan, huscht in den Laden. Im Nu ist der Safe mittels Kombination geöffnet, und sie stehlen die darin verwahrten Diamanten…

 

“Moody crime thriller (…) with visuals in the film noir style and a double twist ending”, schreibt Victoria Silverwolf für SF Chronicles, und das ist ohne Zweifel zutreffend. Allerdings muss man hinzufügen, dass Ti aspetterò all’inferno, eine Kinoproduktion der italienischen Verdestella Films, ein unübersehbar billiger B-Film ist, wedhalb mich wundere, was bitte der US-amerikanische Darsteller John Drew Barrymore und die aus Ungarn stammende Eva Bartok darin verloren haben. Beide hatten schon in den frühen 50ern in renommierten internationalen Filmproduktionen mitgewirkt: Barrymore in Joseph Loseys Film Noir Die Nacht der Wahrheit (USA 1951) und Bartok in Robert Siodmaks Erfolgsfilm Der rote Korsar (USA/UK 1952), der sie an der Seite Burt Lancasters spielen ließ. Aber John Drew Barrymore, im Hinblick auf sein Äußeres für mich ein Sean Penn der 50er, schoss sich durch sein cholerisches Temperament und erratisches Verhalten schon bald ins Abseits und erlangte einen zweifelhaften Ruf. Eva Bartok hatte im Dritten Reich eine extrem grausame Jugend erlebt und fand im Lauf der 50er nie zu einer stabil erfolgreichen Filmkarriere und damit zu Ruhm und Ansehen. Noch vor ihrem 30. Geburtstag war sie viermal verheiratet und viermal geschieden: nur damit gelangte sie in die Schlagzeilen All das macht Ti aspetterò all’inferno, der auf einer cleveren Grundidee beruht, nicht zu einem schlechten Film. Insbesondere Barrymore agiert, als ob er sich in der Rolle als psychopathischer Schurke Walter um den Oscar als Bester Hauptdarsteller bewerben wolle, und Eva Bartok, Massimo Seratto und Antonio Pierfederici legen sich ihrerseits ins Zeug. Die Kameraarbeit Luciano Trasattis (Mädchenhandel, ITA 1952) hebt das Niveau des Films deutlich an; Piero Regnolis Dramaturgie ist auf den Punkt. Sogar die Drehorte sind von einer Tristesse, die an den Neorealismus der 50er anknüpft, weshalb am Ende vor allem das sichtlich schmale Budget das Werk zu einem mitunter recht bizarren Filmerlebnis werden lässt. Letzteres gilt vor allem fürs Finale, doch wer für den B-Film ein Faible hat und nicht alles bierernst nimmt, wird sogar das genießen können.

 

 

Drei völlig unterschiedliche Männer eint die Planung und Durchführung eines Überfalls auf einen Juwelier, bei dem der Wachmann durch Walter getötet wird. Mit ihrer Beute fliehen sie aufs Land, doch beim Marsch zu dem als Versteck vorgesehenen Gehöft, stirbt einer im Moor, indessen die beiden anderen, Walter und Al (Massimo Serrato), ihn darin umkommen lassen. Kurz darauf stößt Danielle Martin (Eva Bartok) zu den Überlebenden, wie aus dem Nichts… Die Produktion wird online u.a. als “gothic horror“ beschrieben, doch das ist irreführend, denn es gibt keinerlei übersinnliche Elemente. Auch ist der Raubüberfall nicht etwa missglückt, wie es mitunter heißt. Die Diebe erbeuten genau das, was sie sich erhofften und entkommen der Kriminalpolizei, die im ganzen Film nicht auftaucht. Der Twist ist am Ende ein völlig anderer und qualifiziert das Werk eindeutig als einen Post Noir. Nicht weit von Andre´de Toths Dark Waters (USA 1944), Robert Siodmaks Die Wendeltreppe (USA 1945) oder Fritz Langs Das Todeshaus am Fluss (USA 1950) ist Ti aspetterò all’inferno klar ein Film der frühen 60er und eine obskure Randnotiz der italienischen Filmhistorie, die bis dato auf ihre Wiederentdeckung wartet. 

 

Bis heute (2026) gibt es von Ti aspetterò all’inferno keine BD oder DVD-Edition, der lediglich in einigen Online-Portalen unter seinem US-amerikanischen Fernsehtitel I’ll See You In Hell als TV- bzw. Videomitschnitt zur Verfügung steht, offensichtlich gekürzt und im Originalformat, allerdings in einer Fassung von bescheidener Bild- und Tonqualität und lediglich mit einer englischen Tonspur ohne Untertitel.

 


 

Post Noir | 1960 | International | Piero Regnoli | John Drew Barrymore | Eva Bartok

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