First Snow – Tödliche Prophezeiung



Psychologische Verteidigung


Concorde Home Entertainment


Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


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Bewertung
****
Originaltitel
First Snow
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
2006
Darsteller

Guy Pearce, Piper Perabo, William Fichtner, J.K. Simmons, Shea Whigham

Regie
Mark Fergus
Farbe
Farbe
Laufzeit
101 min
Bildformat
Widescreen

 


 

© Sony Pictures Home Entertainment

Inmitten der Wüste New Mexicos muss der im Außendienst tätige Verkäufer James “Jimmy“ Starks (Guy Pearce) wegen einer Panne an einer Raststätte den Highway verlassen. Aber er hat Glück im Unglück und beauftragt den Automechaniker Enrique (Steven Michael Quezada) seinen Wagen zu reparieren. Das wird jedoch bis zum Abend dauern und so muss sich Jimmy, nachdem er seinen Boss Roy Harrison (Luce Rains) über das Missgeschick informierte, in der Einöde die Zeit vertreiben. Zuerst geht er ins Rasthaus und hockt sich an die Bar, wo er Inhaber Pete (Nicholas Ballas) davon zu überzeugen sucht, dass eine klassische Jukebox der Marke Wurlitzer seinen Laden mächtig aufwerten und ihm viel Kundschaft zuführen würde. Der Mann ist skeptisch, und Jimmy muss zugeben, dass die Idee mit den Jukeboxes noch im Entstehen sei, dass er aber bald den Absprung in eine bessere Zukunft wagen werde. Als er kurz darauf über das Gelände stromert, entdeckt er den Wahrsager Vacaro (J.K. Simmons) vor seinem Wohnwagen, neben sich ein Holzschild mit der Aufschrift “Fortunes Told“. Zwar macht Jimmy aus seiner Skepsis für dessen Geschäft keinen Hehl und belächelt das Prozedere, investiert aber dennoch die 10 US-Dollar, die Vacaro verlangt. Letzterer setzt sich ihm gegenüber und ergreift Jimmys Hand. Eingangs berichtet er von Alltagsdingen, von anstehendem Geschäftserfolg und einer Wette im Basketball. Aber plötzlich beginnt Vacaro zu zittern, wird von Krämpfen geschüttelt und bricht ab…

 

“First Snow remains an involving and genuinely unusual neo-noir, while Fergus also utilises Eric Andrews’ striking cinematography and Cliff Martinez’s subtle score to atmospheric effect“, schreibt John Berra für The Big Picture Magazine. Der von Debütant Mark Fergus als Regisseur inszenierte und von ihm als Autor mit Hawk Ostby (Children Of Men, USA/UK/JPN 2006) verfasste First Snow - Tödliche Prophezeiung hat mich schnell an John Farrows Die Nacht hat tausend Augen (USA 1948) nach dem gleichnamigen Roman (EA 1945) Cornell Woolrichs denken lassen, darin Edward G. Robinson den Wahrsager John Triton spielt. Zugleich transportiert der Film, ein Werk des 21. Jahrhunderts, den Vibe des US-amerikanischen Neo Noirs der 90er Jahre. Letztere beziffern die Welt der Generation X und damit jene der Slacker und Drifter, deren Lebensprinzip die Coolness war und die durch Drogen, Rockmusik, Sex und Sprücheklopfen geprägt war. Oliver Stones U-Turn - Kein Weg zurück (FRA/USA 1997), Adam Bernsteins Six Ways To Sunday (USA 1997), Jack Perez‘ La Cucaracha (USA 1998) oder Jeff Celentanos Gunshy – Aus Leidenschaft zum Mörder (USA 1998) sind Filme in der Nachbarschaft zu First Snow - Tödliche Prophezeiung, darin ein junger Mann entweder an sich selbst scheitert oder durch eine (haarsträubende) Lebensphase der Läuterung geht. Hätte die Rolle des James “Jimmy“ Starks nicht Guy Pearce gespielt, hätten auch Eric Roberts oder Billy Bob Thornton gepasst. Aber das Gute an First Snow - Tödliche Prophezeiung ist, dass Jimmy zwar aussieht und handelt, als sei er noch in seinen 20ern, sich aber weit in seinen 30ern befindet. Er ist einer von den “Salesmen“ im Dienst des dubiosen Roy Harrison (Luce Rains), eines Haifischs, der mit allem Geschäfte macht, was Geld einbringt und eine Riege von Männern in Anzügen beschäftigt, die schnell von Begriff und nicht auf den Mund gefallen sind. Als Jimmy jedoch zu der Einsicht kommt, dass an Vacaros Prophezeiung wirklich etwas dran sein könnte, zugleich sein Arzt Dr. Bates (Forrest Fyre) ihn über einen Herzklappenfehler informiert und er anonyme Anrufe erhält, bei denen nur Geräusche vernehmbar sind, gerät der zutiefst selbstunsichere Mann ins Schlingern. 

 

“I saw... no more roads. No more tomorrows. Not much time left.” Jimmy zwingt Vacaro auszusprechen, was jener mit dem Abbruch der Sitzung bei ihrem ersten Treffen in der Wüste New Mexicos für sich behalten wollte. Und mancher wird an die Wahrsagerin Tanya (Marlene Dietrich) in Orson Welles‘ grandiosem Film Noir Im Zeichen des Bösen (USA 1958) denken, die ebenfalls Sätze äußerte, die ihrem Publikum einst Schauer über den Rücken jagten. Guy Pearce, Jahrgang 1967, ist ein australischer Schauspieler aus der Generation von Jamie Foxx, Jason Statham, Matthew McCaughney, Cate Blanchett, Naomi Watts und Nicole Kidman. In Christopher Nolans Memento (USA 2000) war es die Vergangenheit, die ihm abhandengekommen war und in deren Dunkel er ein Licht werfen musste. Hier ist es die Zukunft. Im Grunde meint auch das eine Amnesie, die sein Dasein auf der ohnehin wackeligen Scholle des Überlebenskampfes “Made in USA“ im Innersten bedroht. Neben Pearce sind noch andere im Ensemble bemerkenswert: William Fichtner, J.K. Simmons, Jackie Burroughs und Shea Whigham ragen hier klar heraus. Selbst bei der Auswahl von Songs, die den Handlungsverlauf punktgenau begleiten, beweist Mark Fergus Geschmack und Sachkenntnis, wie u.a. Creedence Clearwater Revival, Jesse Sykes & The Sweet Hereafter und Bettye LaVette belegen. Fazit: Ein unterschätzter, sehenswerter Neo Noir, der auch 20 Jahre nach Premiere noch überzeugt. Und… der Schlusspunkt hat es in sich. Neben denjenigen in Dominik Grafs Die Katze (GER 1988) und in Fabián Bielinskys El aura (ARG/ESP/FRA 2005) halte ich dies hier für das beste Ende, allemal von Henri-Georges Clouzot inspiriert, in einem Neo Noir überhaupt.

 

In Deutschland gibt es via Sony Pictures Home Entertainment eine DVD-Ausgabe (2009) von hochwertiger Bild- und Tonqualität mit der original englischen Tonspur und mit einer deutschen Synchronisation, dazu mit Untertiteln auf Englisch, Deutsch und Türkisch, das Ganze ohne Extras. Nur in den USA gibt es bei Mvd Marquee Collect eine Blu-ray disc (2020, RC 1) mit der englischen Tonspur und englischen UT, dazu Interviews mit Guy Pearce, Piper Perabo und J.K. Simmons, inklusive des US-Kinotrailers und den Featurettes Final Omen und Behind The Scenes als Extras.

 


 

Neo Noir | 2006 | USA | Mark Fergus | Guy Pearce | J. K. Simmons | Shea Whigham | William Fichtner

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