Tuva Novotny, Flemming Enevold, Carsten Bjørnlund, Arnaud Binard, Rogier Philipoom
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© Ascot Elite Home Entertainment
Eine junge Frau (Tuva Novotny) liegt bewusstlos auf Felsen inmitten der Strömung im Fluss Cady in der Region Okzitanien, Südfrankreich, an der Stirn eine Platzwunde. Als sie erwacht und sich in der bewaldeten Schlucht umschaut, sieht sie auf einem gegenüberliegenden Felsen einen Turnschuh und einen Seesack. Die Frau erhebt sich, nimmt ihre Habseligkeiten und überquert kurz darauf eine über den Fluss führende Brücke. Sie kommt in die Kleinstadt Vernet-des-Bains im Département Pyrénées-Orientales und findet das Hotel Le Village Catalan. An der Rezeption macht sie die Inhaberin Isabelle Blanchare (Françoise Lebrun) darauf aufmerksam, dass man ausgebucht sei, doch ihr Sohn Pierre (Arnaud Binard), der im Foyer sitzend die schüchterne und verletzte Frau beobachtet, schreitet ein und bietet ihr die Mansarde an. Die junge Frau spricht zwar Französisch, ist jedoch von der Aufforderung ihren Namen ins Register einzutragen spontan überfordert. Pierre zeigt ihr das Zimmer, erkundigt sich höflich, ob sie vielleicht Hunger habe und bringt ihr etwas zu essen und zu trinken. Er stellt sich ihr vor und sie erklärt ihm, dass ihr Name Alina Amiel sei. Pierre verlässt das Zimmer, und bald schläft die Frau ein. Als sie am nächsten Morgen aus einem unruhigen, von undeutlichen Stimmen erfüllten Schlaf erwacht, stellt sie den schweren Seesack aufs Bett. Er ist mit einem Kunststoff-Spannband verschlossen, welches sie mit einem Messer durchtrennt. Im Inneren findet sich eine unschätzbare Anzahl an Bündeln mit 100-Euro-Banknoten…
“Christian E. Christiansen‘s curiously titled ID:A is (…) shaded by some neo-noir stylings, it‘s a rote, mechanical offering in this tradition whose lack of ingenuity is at least well compensated by its competence”, schreibt Brett Gallman für das Online-Portal Oh, The Horror! und fasst einige zentrale Aspekte der dänischen Kinoproduktion des Jahres 2011 gut zusammen. ID:A – Identität Anonym ist eine Adaption von Anne Chaplin Hansens Kriminalroman På knivens æg (EA 2000), der bis dato nicht auf Deutsch erschien. Das Drehbuch stammt von Tine Krull Petersen und im Mittelpunkt der Handlung steht (ebenfalls) eine Frau, nämlich Ida Ore (Tuva Novotny), die mit 6 Millionen Euro aus einem Banküberfall in Amsterdam auf der Flucht vor politischen Extremisten in einem Fluss nahe den Pyrenäen in Südfrankreich erwacht und ihre Erinnerung verloren hat. Das Thema der Amnesie ist ein für den Film Noir typisches, ausgelöst durch ein tief traumatisches und verstörendes Erlebnis: Joseph L. Mankiewisczs Somewhere In The Night (USA 1946) und Curtis Bernhardts Hemmungslose Liebe (USA 1947) dürfen hier als exemplarisch gelten. Christiansens Neo Noir bietet zudem eine verschachtelte Erzählstruktur mit mehreren Rückblenden und mit (dem nur als Kürzel genannten) HP (Jens Jørn Spottag) gibt es sogar einen Privatdetektiv. Zwischen 2005 und 2015 erlebte der in Ländern Skandinaviens ansässige Nordic Noir im Kino und im Fernsehen seine Blütezeit. In populären TV-Produktionen wie Millenium (SWE/GER/DNK 2010), Kommissarin Lund (DNK/NOR/SWE/GER 2007-2012) und Die Brücke (SWE/DNK/GER/NOR 2011-2018) stand auch jeweils eine weibliche Protagonistin im Zentrum der Handlung. In ID:A - Identität Anonym ist die Dramaturgie seitens des Regisseurs stimmig. Die Kameraarbeit an Drehorten in Frankreich, Dänemark und Holland ist exquisit. Die Darsteller aus Schweden, Dänemark, Holland und Frankreich sind hervorragend.
Das zentrale Problem ist die Geschichte selbst, eingangs spannend und mysteriös, die sich zunehmend als überfrachtet und im Finale als maßlos übertrieben erweist. Zugleich sind die Charaktere im Zentrum der Handlung, Ida und ihr Ehemann Just Ore (Flemming Enevold), ein berühmter Opernsänger, eher flach und unglaubwürdig. Ihre langjährige Beziehung wirkt mit der Brechstange herbei konstruiert, und es wird deutlich, dass die fehlende Chemie zwischen den Eheleuten nicht in Idas Amnesie begründet liegt, die mit ihrer Rückkehr nach Kopenhagen von Freunden und Verwandten fraglos hingenommen wird. Weitaus besser ist Idas Zusammenspiel mit ihrem Bruder Martin (Carsten Bjørnlund), der sich als Schlüsselfigur des Puzzles entpuppt. Alles in allem is ID:A – Identität Anonym ein flott inszenierter Thriller mit Schwächen in der Zeichnung seiner Charaktere, dessen Action und damit die Anbiederung an ein Mainstream-Publikum ihn stereotyp und unausgewogen wirken lassen. Man kann ihn sich anschauen, ohne sich am Ende ärgern zu müssen. Andererseits ist die Geschichte Ida Ores schon beim Abspann eine, die man schnell vergessen wird.
Unterm Titel ID:A - Identität Anonym gibt es von dem Film, der in Deutschland nie im Kino lief, eine jeweils erstklassige BD- bzw. DVD-Edition (2012) der Ascot Elite Home Entertainment GmbH mit dem Film ungekürzt im Originalformat, dazu die dänische Tonspur und eine deutsche Synchronisation, optional deutsche Untertitel, sowie den Kinotrailer als Extra.










