Tiger Woman, The

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Bewertung
***
Originaltitel
The Tiger Woman
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1945
Darsteller

Adele Mara, Kane Richmond, Richard Fraser, Peggy Stewart, Cy Kendall

Regie
Philip Ford
Farbe
s/w
Laufzeit
57 min
Bildformat
Vollbild

 


 

 

New York: Privatdetektiv Jerry Devery (Kane Richmond) steigt am helllichten Tag vor dem Tiger Club aus einem Taxi und begibt sich zum Barkeeper (Garry Owen), den er nach Police Captain Henry Leggett (Cy Kendall) fragt, der ihn hieher bestellt habe. Der Angesprochene entgegnet, dass jener Beamte zwar am Vorabend zu Gast war, er ihn aber heute noch nicht gesehen habe. Devery ist verärgert und lässt sich das Telefon reichen, dass er an einem Sitzplatz in die Buchse einstöpselt. Er wählt die Nummer des Polizeihauptquartiers und wird auf die auf dem Tisch stehende Werbekarte ausfmerksam, welche die Nachtclubsängerin Sharon Winslow (Adele Mara) ankündigt, die darauf als Sharon – The Tiger Woman firmiert. Soeben lässt er sich verbinden, als hinter ihm plötzlich der Stecker aus der Buchse gezogen wird und Sharon Winslow leibhaftig vor ihm steht. Sie entschuldige sich für den Trick, den sie habe anwenden müssen, um ihn in den Tiger Club zu locken. Sie hoffe, dass er, Jerry Devery, ihr vergeben werde, nachdem sie über sein Büro keinen Termin habe bekommen können. Doch der Gefoppte reagiert ablehnend, denn als passionierter Angler möchte er keineswegs die Forellensaison verpassen, die morgen begänne und die er in den letzten drei Jahren aufgrund seiner Arbeit stets versäumt habe. Erst als Mrs. Winslow erwähnt, wie ihn Captain Leggett als den besten seiner Art gerühmt und zugleich seine Methoden als kriminell und zweifelhaft dargestellt habe, wird Devery aufmerksam. Als die sie obendrein den Namen des Ganoven Joe Sapphire (Gregory Gaye) erwähnt, nimmt der Privatdetektiv ihr gegenüber Platz…

 

“This is much better than most private eye fares from this period and from a relatively low budget“, resümiert David Vineyard für Mystery*File über diese obskure B-Produktion der Republic Pictures. Eine Femme fatale plant die Ermordung ihres Ehemanns, um dann mithilfe ihres Liebhabers eine Versicherungspolice zu kassieren, die ihnen lebenslang eine sorgenfreie Zukunft bescherte. Im Fall eines Selbstmords wäre deren Auszahlung zwar ausgeschlossen, doch zum Glück für die beiden gibt es eine Hauptverdächtige… Nun, Liebhabern des klassischen Film Noirs wird solches Szenario bekannt vorkommen, ist es in seinen Grundzügen doch, was sich in Billy Wilders Frau ohne Gewissen (USA 1944) als Gerüst der Handlung findet. Immerhin hat Drehbuchautor George Carleton Brown die Ausgangslage modifiziert. So ist Sharon Winslows Liebhaber Stephen Mason (Richard Fraser) an der Erordung ihres Gatten und seines Geschäftspartners unbeteiligt und lässt lediglich dessen vermeintlichen Abschiedsbrief verschwinden, der den Mord als Suizid darstellen und die Versicherungssumme zugunsten der Femme fatale umlenken soll. Aus dem Versicherungsdetektiv Barton Keyes (Edward G. Robinson), der in Frau ohne Gewissen den Fall aufklärt, wird in The Tiger Woman ein ebenso ausgefuchster Private Investigator, der die falsche Spur, die die mörderische Frau mit seiner Hilfe für sich nutzt, bald als eine solche entlarvt. Jerry Devery ist eindeutig Dashiell Hammetts Sam Spade und Raymond Chandlers Philip Marlowe nachempfunden, die in John Hustons Die Spur des Falken / Der Malteser Falke (USA 1941) und in Edward Dmytryks Murder, My Sweet (USA 1944, also in jeweils erfolgreichen A-Produktionen ihr Leinwanddebüt gegeben hatten. Manche Dialoge zwischen Kane Richmond und Adele Mara folgen solchen Vorbildern ganz offensichtlich: "It’s pretty nervous business working yourself up to commit suicide. A guy who smokes doesn’t pick a time like that to suddenly lay off, does he?” – “No.” – “He usually kills a whole pack to pull the trigger…”

 

 

Adele Mara ist als Femme fatale allemal überzeugend. Sie verbrachte ihre Karriere (leider) einzig beim B-Film und ab 1954 fast ausschließlich in Fernsehproduktionen, bevor sie sich ab 1962 ins Familienleben zurückzog. Kane Richmond ist als Private Eye ein wenig glatt, seinerseits aber keine schlechte Besetzung für die Rolle des gewitzten und in alle Himmelsrichtungen vernetzten Detektivs. Richmond kehrte Hollywood bereits 1948 für alle Zeiten den Rücken und wurde ein erfolgreicher Geschäftsmann im Einzelhandel mit Textilien, vornehmlich Pelzen. Es ist auch der Veteran unter den Kameraleuten des B-Film, Ernest Miller (Jack der Killer, USA 1950),welcher seit 1921 aktiv war, der The Tiger Woman, eine typische B-Produktion der Republic Pictures, mit guten Einstellungen verdelt. Über weite Strecken sieht man dem Werk sein geringes Budget nicht an. Sowohl die Szenen im Tiger Club als auch die vor Gericht oder auf offener Straße sind solide umgesetzt. George Carleton Browns Drehhbuch zeigt vor allem im Finale jedoch erhebliche Schwächen. Letzteres ist unglaublich lahm und vorhersehbar, zumal Cy Kendall als Police Inspector Henry Leggett ein Schwachpunkt der Besetzung ist. Im Kanon des klassischen Film Noirs mit und um einen Privatdetektiv erweist sich Philip Fords Debüt als Regisseur daher nur als Randnotiz, allerdings eine, die ein Cineast der Filmklassik nicht als vollends missglückt einstufen wird.

 

In den USA erschien via La Entertainment eine DVD-Edition (2022), deren Frontseite wie eine australische DVD aussieht, und die den Film in miserabler Bild- und Tonqualität beinhaltet. Sie kursiert auch in diversen Online-Portalen, also ungekürzt im Originalformat und ohne Untertitel. Vorsicht! Man sollte Fords Film Noir nicht mit der zeitgleich ebenfalls von Republic Picture produzierten, 12-teiligen TV-Serie The Tiger Woman (USA 1944, aka Perils Of The Darkest Jungle) verwechseln, die in tropischen Gefilden spielt und Linda Stirling als eine Heldin im knappen Leopardenkostüm (!) präsentiert, die gegen skrupellose Geschäftemacher ins Feld zieht, die ihre Heimat zugunsten der Erdölförderung ausbeuten wollen.

 


Film Noir | 1945 | USA | Philip Ford | Adele Mara

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