Fünf unter Verdacht / Mord in Belgesund

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Bewertung
***
Originaltitel
Fünf unter Verdacht – Stadt im Nebel / Mord in Belgesund
Kategorie
Film Noir
Land
GER
Erscheinungsjahr
1950
Darsteller

Hans Nielsen, Dorothea Wieck, Friedrich Schönfelder, Ina Halley, Blandine Ebinger

Regie
Kurt Hoffmann
Farbe
s/w
Laufzeit
89 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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© Pidax film media Ltd.

Belgesund, Dänemark: Schon seit einer Woche hat sich der Nebel über die kleine Küstenstadt gelegt, die in einer nasskalten Dämmerzone, darin Tag und Nacht kaum zu unterscheiden sind, versunken scheint. Rund um die Uhr weisen die Gaslaternen den Einwohnern den Weg, die halbblind durch den Dunst ihres Alltags wandeln. Ørje Palsberg (Josef Sieber) ist Hausmeister des Privatgymnasiums von Dr. Lassen (Hans Leibelt), und er schleppt zwei Eimer mit Kohlen die Straße entlang in seine Dienststube zurück, darin er am Morgen das Licht entzündete und seither nicht löschte. Aber die Kohlen, so der Erzähler, wird er in seinem Leben nicht mehr brauchen… Bevor Palsberg das Schulgebäude betritt, setzt er die Eimer ab und läutet die Glocke, die das Unterrichtsende anzeigt. In der Oberprima sammelt Studienrat Dr. Claudius (Kurt Waitzmann) die Mathematikklausur ein, die er heute schreiben ließ und verlässt das Zimmer. Kaum hat sich die Tür hinter ihm geschlossen, lassen die jungen Herren Jacob und Klaus Eriksen (Friedhelm von Petersson, Lutz Moik), Ole Klimm (Gunnar Möller), Arne Hansen (Horst Gentzen) und Knud Petersen (Thomas Lundberg) ihrer Entrüstung freien Lauf. Sie hatten von Palsberg eine Abschrift der im Safe von Dr. Lassen verwahrten Klausur erworben, wie sie es zuvor schon oft getan hatten. Doch Dr. Claudius hatte eine völlig andere Klausur schreiben lassen und die Jungs sehen sich betrogen. Die Mitschülerin Ingrid Sörensen (Ina Halley) wundert es nicht, dass Palsberg zu so etwas fähig ist…

 

“In Fünf unter Verdacht (…) liebäugelt Kurt Hoffmann mit dem gothic crime eines Robert Siodmak“, schreibt Frank Stegemann über diesen bundesdeutschen Kriminalfilm des Jahres 1950, welcher als eine frühe Produktion der Central Cinema Company (CCC-Filmkunst) in Händen der Berliner Produzenten-Legende Artur Brauner mit Hans Nielsen gut besetzt ist. Tatsächlich kam der Film auch unter dem Langtitel Fünf unter Verdacht – Stadt im Nebel und als Mord in Belgesund in die Kinos, und es ist dieser Schleier der Feuchtigkeit, der in der Küstenstadt dem Tag sein Licht stiehlt und jede Nacht undurchdringlich werden lässt, was das Werk so sehr nach dem foggy old London “Made in Hollywood“ aussehen lässt, wie es Robert Siodmak in Unter Verdacht (USA 1947) und Douglas Sirk in Angelockt (USA 1947) exemplarisch inseniert hatten. Im Zwielicht der Gaslaternen, in dem fortwährenden Dunkel aller Gassen und Hohlwege oder auch in demjenigen der Keller und Dachstuben, die als Verstecke und Rückzugsorte dienen, erweist sich Hoffmanns Film als atmosphärisch dicht und das sogar bis ins Finale. Zudem ist er ähnlich wie seine in London platzierten US-amerikanischen Vorbilder eines Film Noirs mit gotischem Dekor zwar in Dänemark angesiedelt, aber in Berlin gedreht. Herbert Molls Thomsen verhört die Prima (EA 1940) ist die Romanvorlage eines von Johanna Sibelius und von Eberhard Keindorff verfassten Drehbuchs, das seine beiden des Mordes am Hausmeister Palsberg Verdächtigen und jeweils des Betrugs Schuldigen - Dr. Sven Berling (Friedrich Schoenfelder), Studienrat am Privatgymnasium Dr. Lassens, und Klaus Eriksen, den unbedacht impulsiven Primaner - leider nie wirklich in Bedrängnis führt. Dazu ist Kriminalrat Thomsen (Hans Nielsen) viel zu schlau, und damit geraten der Film und seine Geschichte nach einem starken Auftakt in dessen ersten 25 Minuten schon bald zu bieder und vorhersehbar.

 

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© Pidax film media Ltd.

„Ein hübsches Mädchen, das muss man sagen. Sie sind ein Feinschmecker, Doktor. Immer Kükenfleisch.“ Der ehrenwerte Studienrat Dr. Berling hat eine Liebesaffäre mit der minderjährigen Schülerin Ingrid Sörensen, die er sowohl vor seiner Ehefrau (Dorothea Wieck) als auch vor Palsberg, der ihn erpresst, nicht verborgen halten kann. Klaus Eriksen, dessen Bruder und ihre Freunde erwerben bei dem von Habgier und krimineller Energie getriebenen Pedell Palsberg nicht nur Alkohol und Tabak sondern auch die Abschriften aller anstehenden Klausuren… Solche Geheimnisse böten Zündstoff für ein Ausleuchten ebenso abgründiger wie schillernder Charaktere. Aber davon abgesehen, dass Dr. Berling mit seiner Ingrid nicht ansatzweise eine Chemie entwickelt, erweist sich der Studienrat als durch die Bank unsympathisch und Klaus als lediglich ein wenig halbstark. Der Film verliert sie und ihre Geschichten im letzten Drittel aus dem Blick und fokussiert sich auf die Hatz nach dem Mörder, die vorhersehbar ist und für ihre Zeit solide daherkommt, mehr nicht. Fazit: Was mit seinem Erzähler aus dem Off, seiner Kleinstadt bei Nacht und Nebel und mit den sinistren Charakteren zu Beginn in die Fußstapfen eines Film Noirs à la Robert Siodmaks tritt, erweist sich trotz der versierten Kameraarbeit Bruno Stephans zuletzt als stilistisch feiner, jedoch fader Kriminalfilm der Nachkriegsära, dem es an Courage fehlt, die Versprechen seines ersten Viertels einzulösen.

 

Es gibt eine schön editierte deutsche DVD (2015) der Pidax film media Ltd.in Kooperation mit der Universum Film GmbH und Ascot Elite Home Entertainment, die den Film bild- und tontechnisch gut restauriert, im Originalformat und ungekürzt präsentiert, ohne Untertitel zwar, doch mit beigelegtem Nachdruck der Internationalen Filmbühne Nr. 647 als Extra.

 


Film Noir | 1950 | International | Kurt Hoffmann | Hans Nielsen

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