Second Chance



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Bewertung
***
Originaltitel
Second Chance
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1947
Darsteller

Kent Taylor, Louise Currie, Dennis Hoey, Larry J. Blake, Ann Doran

Regie
James Tingling
Farbe
s/w
Laufzeit
63 min
Bildformat
Vollbild

 


 

© Twentieth Century Fox Film Corporation

New York: Joan Summers (Louise Currie) flaniert im Diamond District und sieht sich die Schaufenster an, als sie von einem Mann mit dem Spitznamen “Flash“ angesprochen wird. Er will ihr die Stadt zeigen, die sie längst kennt, und als er zudringlich wird, wirft sie ihn mit einem Judo-Griff der Länge nach aufs Trottoir. Letzteres beobachtet Kendal Wolf (Kent Taylor), der aus dem Staunen nicht rauskommt und nun seinerseits Ms. Summers anspricht. Scheinbar zufällig betreten sie das Jewelers‘ Trade Building und fahren mit dem Fahrstuhl in den 25. Stock, wo der Juwelier J. L. Montclaire (Francis Pierlot) seine Geschäftsräume hat. Es stellt sich heraus, dass sie zeitgleich einen Termin haben; Joan Summers reicht Montclaire ihre Visitenkarte. Die Versicherungsgesellschaft Jewelers‘ Indemnity schicke sie, teilt sie mit, nachdem sie einen kostbaren Smaragd verloren habe und einen Ersatz suche. Wolf erklärt Montclaire auf dessen Nachfrage, dass er für einige Zeit in San Francisco und Los Angeles gewesen sei, sich daher nicht habe blicken lassen, aber für einen Kunden heute gern einen Diamanten aus der Corinth-Sammlung ansehen wolle. Während der Juwelier Joan Summers einen Smaragd zeigt, sitzt Kendal Wolf etwas abseits und begutachtet den Diamanten, den er gegen eine Imitation aus seinem Jackenärmel austauscht. Als Ms. Summers den Diamanten ihrerseits anschauen möchte, reicht Montclaire ihr eine Lupe. Die Frau stellt sofort fest, dass es sich um eine Imitation handelt. Montclaire ist entsetzt und greift zum Telefon…

 

“What do you think the police are for?” – “Oh, they’re very good at clearing the streets for a nice parade.” Natürlich ist das kein zu Unrecht in Vergessenheit geratener Film Noir, der sich knapp 80 Jahre nach seiner Premiere einer nachwachsenden Generation als ein wundersames Fundstück der Kulturaarchäologie präsentiert. Vielmehr ist Second Chance einer aus jener Legion von B-Produktionen, die so halbwegs unterhaltsam sind, zugleich oft flach und uninspiriert daherkommen. Immerhin ist eins bemerkenswert: Louise Currie (The Crimson Key, USA 1947) steht als Joan Summers klar im Mittelpunkt der Handlung und degradiert ihre männlichen Mitstreiter zu Charakteren, die ihr zu Diensten sind, nicht umgekehrt. Ist sie eine Femme fatale? Oder spielt sie eine solche? Joan Summers gerät über Kendal Wolf in Kontakt zu einer Bande von Betrügern, deren Masche ebenso einfach wie einträglich ist. Einer, nämlich Wolf, lässt einen kostbaren Edelstein, in der Regel einen Diamanten, verschwinden. Ein zweiter mit Namen Barker (Archie Twitchell) bietet als ein vermeintlicher Privatdetektiv Mr. Corwin (Emmett Vogan), dem Inhaber der Versicherungsgesellschaft Jewelers‘ Indemnity, mit gespielter Lässigkeit an, den Stein innerhalb von 24 Stunden wiederzubeschaffen. Kostenpunkt: 10.000 US-Dollar, ein Drittel seines Versicherungswerts, den Corwin anderweitig an den Juwelier J. L. Montclaire zahlen müsste. Der Dritte im Bund, Nick (Paul Guilfoyle), übernimmt die Organisation und lenkt die Transaktionen. Welche Rolle aber spielt Joan Summers, die sich plötzlich als Kendal Wolfs Partnerin ins Spiel bringt, welcher wiederum ihrem Charme und ihren Judo-Künsten erliegt? Der New Yorker Police Detective Sergeant Sharpe (Larry J. Blake) durchschaut das Spiel der Akteure, woraus er auch gegenüber Corwin keinen Hehl macht. Was ihm jedoch fehlen, sind hieb- und stichfeste Beweise.

 

“Second Chance sits at the less celebrated end of the noir cycle – a Sol M. Wurtzel production directed by James Tinling with the efficiency that B-picture economics demanded and occasionally rewarded”, heißt es bei Classic Noir, und ich kann nur zustimmen. Allerdings klingt es nach mehr, als es de facto ist, und vor allem auch spannender, als sich im Zug der Handlungsentwicklung herausstellt. Letzteres war für mich das Problem mit dem Film, dass nämlich sein Drehbuch von Arnold Belgard (The Invisible Wall, USA 1947) nach einer Erzählung Lou Breslows und John Patricks nicht viel hergibt. Das Finale ist allemal gelungen, wenn die High Society New Yorks sich an den unschätzbar kostbaren Diamanten von Millionär Conrad Martyn (John Eldredge) am Hals einer schönen Frau erfreut und bei Lounge Jazz zugleich davon träumen darf sie zu besitzen. Denn nicht Schönheit, einzig Geld und Besitz sind der DNA dieser Gesellschaft eingraviert, und das macht solche Szene in all ihrer Nüchternheit klar. Ansonsten ist das Ende so hastig und 08/15, wie bei vielen anderen solcher B-Produktionen der Zeit ist. Louise Currie trat im Jahr 1947 in vier dem Film Noir zugehörigen B-Produktionen auf, überzeugte in jeder einzelnen, nur um für die nächsten 10 Jahre in kleinen Nebenrollen zu verschwinden, bevor sie das Schauspiel für den Kinofilm und das Fernsehen aufgab. Sie starb 2013 in Santa Monica, Kalifornien, im stattlichen Alter von 100 Jahren.

 

Bis heute (2026) gibt es von Second Chance weltweit keine offizielle BD- oder DVD-Edition. In einigen Online-Portalen steht der Film zwar zur Verfügung, jedoch in einer Version von bescheidener Bild- und Tonqualität mit der englischen Tonspur ohne UT, immerhin ungekürzt und im korrekten Bildformat.

 


 

Film Noir | 1947 | USA | James Tinling | Benjamin H. Kline | John Eldredge | Kent Taylor | Larry J. Blake | Ann Doran | Louise Currie

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