Walter Huston, Jean Harlow, Wallace Ford, Jean Hersholt, Dorothy Peterson
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© Warner Bros.
Im Polizeihauptquartier gehen auch am heutigen Abend reihenweise Anrufe an, bei denen die Beamten in der Telefonzentrale die besorgten oder gar verängstigten Bürger beruhigen und überzeugen müssen, dass ihnen mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Gefahr drohe. Einer unter ihnen (Edward Brophy) gibt die von allen anderen notierten, relevanten Meldungen an die Streifenwagen in Schluchten der Großstadt weiter. Deren Teams amüsieren sich, wenn in einem Wohnblock ein Stinktier oder an einer Straßenecke eine Nudistin auftaucht. Aber dann passiert es doch. In einem Büro im Souterrain in der Vinetta Street sind die Leichen von vier stadtbekannten Gangstern, die gelyncht wurden, aufgefunden worden. Nicht nur Beamte im Streifenwagen, auch diejenigen der Mordkommission rücken aus. Unter Führung von Police Captain James “Jim“ Fitzpatrick (Walter Huston) und dessen rechter Hand Police Lieutenant John Makowski (Sandy Roth) rasen sie durch die Straßen in Richtung des Tatorts, den sie bald einer sorgsamen Inspektion unterziehen. Als sie in einer Menge von Schaulustigen eintreffen, sind außer dem Polizeiarzt auch einige Reporter (George Chandler, Mike Donlin) längst vor Ort. Der Mediziner berichtet Fitzpatrick, dass die Toten wahrscheinlich schon über zwei Tage dort hingen, indessen jener sie als die “Dopey Boys“ identifiziert. Ein Streifenpolizist erklärt Police Captain Fitzpatrick, dass spielende Kinder sie entdeckt hätten….
“Instead of the glorification of cowardly gangsters, we need the glorification of policemen who do their duty and give their lives in public protection.” So wird der 31. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, der Republikaner Herbert Hoover, auf einer der Produktion der Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) vorangestellten Schrifttafel zitiert. Es ist klar, dass dies wider die Gangsterfilme der Warner Bros. zielte, namentlich William A. Wellmans The Public Enemy (USA 1931) und Mervyn LeRoys Der kleine Cäsar (USA 1931). Natürlich wurden in jenen die zentralen Antagonisten, von James Cagney und Edward G. Robinson kongenial verkörpert, gar nicht glorifiziert. The Beast Of The City macht mit seinem Anspruch, im Gegenzug den erzreaktionären, geradewegs fanatischen Kriminalbeamten James “Jim“ Fitzpatrick (Walter Huston) zur Heldenfigur zu stilisieren, allerdings ernst. Das jedoch missglückt auf ganzer Linie und gerät im Finale schlichtweg zu einem Desaster. Zum ersten kann Walter Huston einem Cagney oder Robinson nicht ansatzweise das Wasser reichen. Das Schauspiel aller Beteiligten ist bestenfalls mittelprächtig, häufig noch vom pantomimischen Grimassieren der Stummfilmära geprägt, und es gibt Charles Brabins Werk von Anbeginn einen altbackenen Anstrich. Wer hier einzig und allein überzeugt, zumindest mich, ist Jean Harlow, die schon in Wellmans The Public Enemy als Gangsterbraut zu punkten wusste. Sie agiert souverän und gemessen am Standard ihrer Zeit auch unkonventionell frech. James Fitzpatrick ist ein furchtbar spießiger, ausdrucksarmer und einzig von obsessiver Pflichterfüllung beherrschter 08/15-Stereotyp eines Polizisten, der bis zuletzt unscharf und irrelevant bleibt. Mich hat er nicht ansatzweise interessiert. Auch sein Widersacher, Mobster Sam Belmonte (Jean Hersholt), ist im Vergleich mit den damals von Cagney, Robinson und Paul Muni dargestellten Gangsterbossen, nur eine Knallcharge mit Zigarre. So gerät der Versuch von Louis B. Mayer als Studioboss von MGM, dem Erfolg der Gangsterfilme von Warner Bros. eine eigene, erzkonservative Variante entgegenzusetzen, einzig und allein zur Farce. Zum Fremdschämen peinlich ist der entweder kreuzbiedere Humor der Familie Fitzpatrick oder der entartete Witz der Gangster.
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© Warner Bros.
“Much as I love Walter Huston, (…) this is blatant copaganda (…) I’ll give it the ending at least, (…) even if it was ridiculously stupid, and made no sense at all”, schreibt Robin Virago für Letterboxd, demgegenüber vielen Kritikern auch heutiger Tage das Werk tendenziell zusagt. Letzteres ist mir in Anbetracht des Schauspiels, der Dramaturgie und der Blödigkeit des Drehbuchs, basierend auf einer Erzählung des sonst zuverlässigen W.R. Burnetts (Asphalt-Dschungel / Raubmord, USA 1950), ein Rätsel. Kernbotschaft des so brutalen wie auch widerlich heroischen, genau das meint Hoovers “glorification“, damit aber faschistoiden Finales ist und bleibt: Mit roher Gewalt lässt sich auch für Vertreter des Gesetzes jedes Problem lösen. Wenn man anderweitig nicht weiterkommt, bedient man sich der Methoden der Gangster und bringt letztere einfach um. Das meint für mich im Zusammenhang „faschistoid“ - die Legitimierung und Verherrlichung von Polizeigewalt zum Zweck der willentlichen Tötung von Gegnern, welche zu dem Zeitpunkt nicht der Jurisdiktion überstellt und verurteilt wurden. Sogar die gute Chemie zwischen Wallace Ford als korruptem Cop und Femme fatale Jean Harlow fällt dem zum Opfer. Das Fazit stammt diesmal folglich von Stuert Galbraith IV für The Digital Bits: “This level of taking the law into one’s own hands vigilantism is more extreme than any of the neo-fascist fantasies of ‘70s cinema.”
Eine Blu-ray disc (2025) der Warner Archive Collection von Warner Bros. (USA, Regionalcode 1) ist bild- und tontechnisch erstklassig und bringt den Film ungekürzt im Originalformat mit englischem Ton ohne Untertitel und mit lediglich zwei Cartoons als den einzigen Extras. Zuvor war der Film sowohl als DVD-R (2009) in der Warner Archive Collection als auch in der Reihe Los esentiales de cine negro unter dem Titel El monstruo de la ciudad als eine spanische DVD-Ausgabe (2010) mit spanischen (nicht ausblendbaren Untertiteln) erschienen, in beiden Fällen bild- und tontechnisch deutlich minderwertig.














