Gateway, The



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Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


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Bewertung
***
Originaltitel
The Gateway
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
2021
Darsteller

Shea Whigham, Olivia Munn, Zach Avery, Bruce Dern, Frank Grillo

Regie
Michele Civetta
Farbe
Farbe
Laufzeit
91 min
Bildformat
Widescreen

 


 

© Splendid Film GmbH

St. Louis, Missouri: der städtische Sozialarbeiter Parker Jode (Shea Whigham), einst professioneller Boxer, fährt in seinem 1986er Chevrolet Monte Carlo in eine unterm Namen Magnolia Housing Projects bekannte Siedlung des sozialen Wohnungsbaus. In diesem Brennpunkt kümmert er sich um die Familie des etwa 8-jährigen Tommy (Jackson James), doch beim Apartment 305 steht heute die Wohnungstür offen. Als Parker eintritt und nachfragt, ob jemand Zuhause sei, kommt ihm lediglich Tommy entgegen. Seine Eltern seien im Schlafzimmerem, sagt er, seit gestern Abend, und seine Mutter sei vielleicht krank, sie habe sich so verrückt verhalten. Als Parker Jode nachschaut, entdeckt er den Vater bewusstlos in einem Sessel liegend, indessen die Mutter nach einer Überdosis auf dem Bett verstarb. Parker verständigt die Polizei und verlangt nach einem Krankentransport, um die Leiche abzuholen. Kurz darauf wird in der einsetzenden Dunkelheit des Abends die Tote auf einer Bahre weggeschafft. Als Parker zu seinem Wagen zurückkehrt, entdeckt er, dass das Seitenfenster eingeschlagen wurde. Sein Radio wurde gestohlen, und die beiden Diebe stehen nur wenige Meter entfernt und verspotten ihn, bevor er sie zu verfolgen sucht, aber nach wenigen Metern aufgrund seiner Kurzatmigkeit aufgeben muss… In der Bar von Gary (Marc Boone Junior) sitzt Parker Jode spät am Tresen vor einem Whiskey und spielt mit Gary eine Partie Schach. Bevor sich der Gastgeber versieht, hat ihn Parker mit einem überraschenden Zug Schachmatt gesetzt…

 

"The Gateway is much better dealing with people than cliches, but Civetta doesn’t trust the potential of an emotional viewing experience, soon offering chases, shoot-outs, and some crude pop songs to support the action”, schreibt Brian Orndorf für Bluray.com und liegt damit zu 100% richtig. Anders ausgedrückt: Es hätte ein feiner Neo Noir werden können. Zutaten und Rezeptur sind vielversprechend. Aber gleich mehrfach trifft Regisseur Michele Civetta falsche Entscheidungen und reiht The Gateway in die Hundertschaft ähnlicher B-Produktionen aus dem Genre-Katalog des mal mehr, mal weniger harten US-Thrillerkinos ein. Was von Anbeginn nervt, ist die Art, wie er sein Ensemble als vom Leben gezeichnete, harte Kerle zu kennzeichnen sucht. Ständig kippt Sozialarbeiter Parker Jode aus Glas, Flasche oder Flachmann Schnaps in sich rein, raucht dabei Kette, schnupft Kokain und schläft Zuhause im Sessel. Nach Erhalt eines Anrufs ist er in 15 Minuten wieder bei seiner Pflegefamilie: ein Frühstück braucht er ebenso wenig wie ein Privatleben. Als gleich zu Beginn das Stück Wednesday Morning Atonement vom Soulsänger Curtis Harding erschallte, war ich von der stilsicheren Wahl angetan. Im Anschluss gab es jedoch kaum eine Szene, in der auf Musikuntermalung – Soul, R&B, Jazz, Hip-Hop – verzichtet wurde. Permanent versucht der Film in Ton und Bild eine atmosphärische Wirkung zu erzielen, anstatt die Geschichte selbst solche Atmosphäre kreieren zu lassen. Derlei Überstilisierung in Bild und Ton hat mich genervt. Zudem überwuchern schnell die Action-Klischees jene starken Szenen, welche die Erzählung auch bietet, wenn etwa Parker auf seinen Vater Marcus (Bruce Dern) trifft, einen Vietnam-Veteranen und Jazz-Trompeter. Oder wenn er mit dem Barbesitzer Gary beim Schachspiel in manch cooles Palaver verfällt oder per Zufall mit Terry Thompson (Keith David) eine Leitfigur aus seiner Kindheit trifft, die er selbst in einem Heim verbringen musste. Sogar die Seitenhiebe auf die USA und ihre gesellschaftlichen Abgründe erweisen sich als bissig und pointiert. Der Film zeigt also Potential, nicht zuletzt aufgrund einer Riege erstklassiger Darsteller. 

 

© Splendid Film GmbH

“There ain't no justice. The only real color divide is green, and the house always wins.” Shea Whigham war und ist nicht der einzige “ewige“ Nebendarsteller, der plötzlich die Chance auf eine Hauptrolle bekommt und darin seine Klasse unter Beweis stellt. Ob Don Murray in Deadly Hero (USA 1975), Michael Rooker in Browns Requiem (USA 1998), Scott Wolf in Emmett’s Mark (USA 2002) oder Dale Dickey in The G (CAN 2023) - sie alle veredelten solche Neo Noirs mit einer darstellerischen Leistung von Rang. In The Gateway sind auch Shannon Adawn als Police Detective King, Taryn Manning als einsame Trinkerin Corey und natürlich Bruce Dern in ihren Rollen jeweils perfekt besetzt. Es ist einer der Filme, die man in einigen bizarren Sequenzen richtig genießt, um im nächsten Moment über den Rückfall ins Banale zu staunen. Am Ende ist das Werk kaum besser als das miese Filmplakat oder jene DVD-Cover, die einen bereits wissen lassen, dass man wieder mal einer 08/15-Kriminalgeschichte im Milieu der organisierten Drogenkriminalität und der Habenichtse in sozialen Brennpunkten beiwohnen wird, an denen es im US-amerikanischen Kino ja nicht mangelt. Beizeiten couragiert, aber im Ganzen zu blass, so mäandert die Filmhandlung auf ihr vorhersehbares Finale als Gewaltexzess zu. Wenn der Abspann läuft, ist man bestenfalls voller Mitgefühl für jene, die hier engagiert aufspielen und den Film doch nicht retten konnten. Knapp noch drei Sterne. Schade drum!

 

Via Splendid Film GmbH erschien eine gut editierte deutsche BD- oder DVD-Ausgabe (2022) mit dem Film ungekürzt im Originalformat, bild- und tontechnisch exzellent. Dazu gibt es die original englische Tonspur und eine (schlechte) deutsche Synchronisation sowie optional Untertitel auf Deutsch. Extras sind jeweils keine beinhaltet.

 


 

Neo Noir | 2021 | USA | Michele Civetta | Bruce Dern | Frank Grillo | Keith David | Marc Boone Junior | Shea Whigham

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