Toni Collette, Brittany Murphy, Marcia Gay Harden, Rose Byrne, Mary Beth Hurt
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© Studiocanal GmbH
Arden (Toni Collette), Mitte dreißig, liegt frühmorgens neben ihrer alten Mutter (Piper Laurie) im Bett, die noch schläft und den Arm um ihre Tochter legt. Fernab jeder Ortschaft im Los Angeles County steht das Farmhaus der beiden. Später streift Arden allein durch eine Plantage von Bäumen, deren Äste unter einem blauen Himmel kahl sind. Sie nutzt den sonnigen Morgen, um am Fluss ihr Frühstück einzunehmen und den Vögeln zuzusehen. In Rock, Stiefeln und einer abgetragenen Strickjacke macht sie sich auf den Rückweg. Plötzlich bleibt sie stehen. Inmitten der Plantage liegt die fast unbekleidete Leiche einer jungen Frau (Brittany Murphy), von zahllosen Schnittwunden und getrocknetem Blut gezeichnet, um den Hals eine Buchstaben-Kette, die das Wort “taken“ zeigt. Arden kniet nieder, um sie zu betrachten. Kurz darauf kommt sie nach Hause. Kaum tritt sie durch die Tür, als die Mutter nach ihr ruft, doch erst muss sie sich einen Schnitt am Finger unter fließendem Wasser abspülen. Nun bringt sie die gehbehinderte Mutter ins Badezimmer, und als sie in der Badewanne sitzt, wäscht Arden sie. Später ist sie in der Küche und steckt die Buchstabenkette, die sie der Toten nahm und an der sich Blut und Haare finden, in eine Tasse, die sie weit hinten im Geschirrschrank versteckt. Mit zwei Polizisten in Uniform (Donnie Smith, Michael Raysses) kehrt Arden an den Fundort der Leiche zurück. Doch ihre Mutter ist außer sich vor Wut, dass Arden die Polizei informierte und diese ihr Fragen stellt, denn sie hasst die Behörde…
Als jemand, der mit dem klassischen Film Noir und dem inzwischen über Jahrzehnte hinweg fortlaufenden Neo Noir vertraut ist, kann ich nur anmerken: So einen düsteren, bitteren und doch punktgenau inszenierten Film habe ich nur selten gesehen. Der von der US-amerikanischen Autorin und Regisseurin Karen Moncrieff erdachte und gestaltete Neo Noir ist noch für erfahrene Zuschauer eine Herausforderung und dies keinesfalls wegen harter Gewalt oder wegen Anleihen beim Horrorfilm. Es ist einzig und allein die Tristesse ihrer Lebensrealität, welche die durch die Bank gebrochenen Charaktere der verzweigten Geschichte gefangen hält, die uns über die gesamte Laufzeit nach dem Nektar der Hoffnung lechzen lässt. Das Bild der USA, das die Erzählung uns nahebringt, ist in seiner Kälte und Freudlosigkeit, in seinen Härten und Abgründen kaum noch zu überbieten. Nicht allein der Tod, in dem Fall durch einen Serienmörder, den die Geschichte uns auch vorstellt, beendet ein Dasein von Menschen, deren Psyche längst zermalmt und deren Glück zerstört wurden. Ob als Habenichtse, die ihr Überleben im Dschungel der allerorts gleichen städtischen Ödnis der Prostitution und ihrem Drogenkonsum verdanken, oder als Kleinbürger und Mittelstandszöglinge, denen die Entdeckung von Geheimnissen ihre letzte Hoffnung auf ein besseres Morgen oder eine sonstwie geartete Heilung nimmt, diese Menschen sind an ein Leben gekettet, dass kaum lebenswert scheint. Und doch ändert der Tod der stets jungen Krista Kutcher, die Arden auf einem Spaziergang findet, für manche genau das. Für sie bringt der brutale Mord eine Folge von Ereignissen ins Rollen, die sie (und uns) tatsächlich noch einmal hoffen lässt. Derlei bezeichnet man im Volksmund ja gern als die Ironie desSchicksals, aber genau Ironie oder Sarkasmus fehlen in diesem Werk fast vollständig und finden sich durch Empathie und Präzision ersetzt. Es ist ein Film, darin Frauen als zentrale Figuren einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen, und die beteiligten Darstellerinnen wachsen teils über sich hinaus. Ich weiß gar nicht, wen ich auslassen sollte, also tue ich es nicht: Toni Collette, Rose Byrne, Mary Beth Hurt, Kerry Washington, Brittany Murphy, Marcia Gay Harden, Piper Laurie und Mary Steenburgen sind durch die Bank großartig.
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© Studiocanal GmbH
“The Dead Girl fesselt in der Manier eines David Lynch (…) exzellente Schauspieler, eine nachhaltige Story sowie eine narrative Meisterleistung sorgen hier für uneingeschränkten und erstklassigen Filmgenuss“, resümiert Mirela Halac für Kino-Zeit in einer begeisterten Rezension, und das trifft es. Dramaturgie, Bildsprache und Drehorte, die Dialoge und die Darstellerinnen und Darsteller und nicht zuletzt die pointierte Auswahl musikalischer Untermalung zeigen Autorin und Regisseurin Karen Moncrieff als ein Ausnahmetalent des Filmgeschäft. In seiner Tristesse, seiner Nüchternheit und auch Wärme fand The Dead Girl mit Terrence Malicks Badlands - Zerschossene Träume (USA 1973), mit Karel Reisz‘ Everybody Wins – Ein schmutziges Spiel (UK/USA 1990) und mit Sean Penns Das Versprechen (USA 2001) einige Vorläufer, dem aber mit Debra Graniks Winter’s Bone (USA 2010), mit Taylor Sheridans Wind River (CAN/UK/USA 2017) oder mit Mélanie Laurents Galveston – Die Hölle ist ein Paradies (USA 2018) vor allem auch einige nachfolgten. Doch das sollte man nicht falsch verstehen: The Dead Girl ist schlicht einmalig. Mehr, glaube ich, kann ich einen Film gar nicht wertschätzen.
Es gibt eine je hervorragende deutsche Blu-ray- (2018) und DVD-Edition (2008) von Arthaus via Studiocanal GmbH und zwar mit der ungekürzten 93-minütigen Fassung im Originalformat, bild- und tontechnisch exzellent, inklusive der original englischen Tonspur samt optional deutschen Untertiteln und auch mit der (allerdings nicht empfehlenswerten) deutschen Kinosynchronisation, dazu als Extras ein Audiokommentar von Autorin und Regisseurin Karen Moncrieff, Interviews mit sieben (!) Darstellerinnen und mit der Regisseurin, obendrein ein kurzer Essay von ihr, eine Fotogalerie mit Szenenfotos, ein Behind The Scenes und der original Kinotrailer auf Deutsch und auf Englisch. Vorbildlich!














