Frieda



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Film Noir Collection Koch Media GmbH


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Bewertung
*****
Originaltitel
Frieda
Kategorie
Film Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1947
Darsteller

David Farrar, Glynis Johns, Mai Zetterling, Flora Robson, Albert Lieven

Regie
Basil Dearden
Farbe
s/w
Laufzeit
98 min
Bildformat
Vollbild

 


 

© Studiocanal Films Ltd.

 

Polen im März 1945: In Krakau toben des Nachts heftige Kämpfe zwischen der deutschen Wehrmacht und der russischen Armee, indessen ein polnischer Priester (Gerhard Heinz) inmitten der Ruine eines Kirchenschiffs die Deutsche Frieda Mansfeld (Mai Zetterling) mit Flight-Lieutenant Robert Dawson (David Farrar), einem Offizier der britischen Royal Air Force traut. Als der Priester Dawson nach dem Ring für die Braut fragt, zieht jener einen eigenen Ring von der linken Hand und steckt ihn an Friedas Ringfinger. Mit lediglich einem Bündel zur Hand rennen sie zu Fuß aus den Trümmern der Kirche in Richtung der Eisenbahnlinie, die sie auf von Russen kontrolliertes Territorium bringen wird. Sie erreichen die Schienen und müssen auf einen fahrenden Güterzug aufspringen, der von einer Dampflok aus der nächtlichen Stadt aufs Land hinaus gezogen wird, Als sie endlich in Sicherheit sind, bemerkt Robert Dawson, dass Frieda sich vor ihrer baldigen Ankunft in Denfield, Oxfordshire, eher fürchtet, und er beginnt zu erzählen, wie er die friedliche Kleinstadt, die er selbst vor fast fünf Jahren kurz nach der Schlacht von Dünkirch, Frankreich, verlassen habe, noch in Erinnerung hat… Auch damals, am Tag vor seiner Abreise und vor dem Beginn seines dem Wekltkrieg geschuldeten Dienstes in der Royal Air Force, gab es eine Hochzeit. Sein Bruder Alan (Patrick Holt) heiratete ihre gemeinsame Freundin aus Kindertagen namens Judy (Glynis Johns), und es wurde ein Fest, bei dem die gesamte Familie Dawson zusammenkam…

 

“What I’ve done for you, anyone would have done. What you did for me… very few.” Der Kriegsheimkehrer ist eine Ikone des klassischen Film Noirs aus den USA. In George Marshalls Die blaue Dahlie (USA 1946), Arthur D. Ripleys The Chase (USA 1946), Curtis Bernhardts Anklage - Mord (USA 1947) oder Edward Dmytryks Kreuzverhör (USA 1947) steht er jeweils im Mittelpunkt der Handlung – plötzlich ein Fremder in der Heimat, die er als Soldat vor Jahren verließ. Trotzdem wird Frieda von Basil Dearden (Unterwelt, UK 1951) kaum je als ein Film Noir erwähnt, vielleicht weil er nicht so sehr auf das Schicksal von Flight-Lieutenant Robert Dawson hinauswill, sondern dasjenige der Krankenschwester Frieda Mansfeld im Blick hat. Genau sie hatte ihm aus einem Gefangenenlager zur Flucht verholfen. Während sie ihn liebt, heiratet er sie aus Dankbarkeit, ermöglicht es ihr doch nach England auszuwandern. Aber noch bevor sie in Denfield eintreffen, werden die Resentiments gegen das Paar innerhalb und außerhalb der Familie Dawson bereits hörbar und sichtbar. Das Drama nimmt nach ihrer Ankunft rasch seinen Lauf: die Bürde als Deutsche direkt nach Ende des Zweiten Weltkriegs in England ein neues Leben zu beginnen, wird für Frieda immer erdrückender. Robert erhält als erstes die Nachricht, dass sein Bruder Alan, den er seit jeher für einen ausgesprochenen Glückspilz hielt, nicht zuletzt weil er Judy für sich gewinnen und sie heiraten durfte, am Weihnachtsabend 1944 über Köln abgeschossen wurde. Als Richard Mansfeld (Albert Lieven), Friedas Bruder, nach seiner Kriegsgefangenschaft in Denfield eintrifft und sich als stets linientreuer Nazi entpuppt, gerät die Situation außer Kontrolle. Er wird als Wachsoldat eines Konzentrationslagers enttarnt und denunziert gegenüber Robert auch seine Schwester. 

 

© Studiocanal Films Ltd.

 

“The Germans look so ordinary, most of them. You forget, they’re not like the rest of us.” Der Film Noir der Nachkriegsjahre hat sich auch direkt mit dem Nationalsozialismus und dessen Gräueltaten während des Dritten Reichs auseinandergesetzt. In Orson Welles‘ Die Spur des Fremden / Der Fremde (USA 1946), in Alfred Hitchcocks Berüchtigt / Weißes Gift (USA 1946) und auch in Wolfgang Staudtes Die Mörder sind unter uns (GER 1946) ging es jeweils um mörderische Handlanger des Nazi-Regimes, die unmittelbar nach dem Krieg untertauchten oder einfach in ihr früheres Leben zurückkehrten. In Fritz Langs Ministerium der Angst (USA 1944) gibt es ein deutsches Geschwisterpaar, das in London, England, unter falscher Flagge operiert. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Ronald Millar, der unterm Pseudonym Elliot Gibbons die dem Film zugrundeliegende Erzählung (EA 1946) verfasst hatte, sich von diesen Filmen teils inspirieren ließ. Basil Deardens Frieda ist ein Drama, welches dem komplexen Thema, das es abzubilden sucht, auf ganzer Linie gerecht wird und anhand der Figuren, die hier eine Rolle spielen, dessen unterschiedliche Facetten beleuchtet. Nur zwei der beteiligten Akteure waren Deutsche, nämlich Gerhard Heinz und Albert Lieven: beide waren in den 30ern nach Großbritannien emigriert. Mai Zetterling, die Frieda Mansfeld verkörpert, kam aus Schweden und zeigt eine bemerkenswerte Leistung, welche den Beginn einer Karriere im britischen Film markierte und ihr bis Ende der 60er Hauptrollen einbrachte. Regisseur Basil Dearden, der sich lebenslang wider Rassismus, Homophobie und jedwede sonstige Vorurteile gegenüber Minderheiten engagierte, wurde zu einem der wichtigsten Filmschaffenden im England der 50er und 60er Jahre. Frieda ist unbedingt empfehlenswert.

 

Es gibt eine britische Blu-ray- und auch eine DVD-Edition (2022) der Studiocanal Films Ltd. in deren Reihe Vintage Classics und zwar mit dem Film in einer hochwertig restaurierten, ungekürzten Fassung im Originalformat, bild- und tontechnisch exzellent, dazu die original englische Tonspur plus optional englischer Untertitel und als Bonus die Features Strength And Weakness: Matthew Sweet On Frieda and Looking Back at Frieda, dazu ein Behind the Scenes und eine Galerie mit Szenenfotos. Der Film erschien zuvor dank einer Kopperation der Network Distributing Ltd. und der Studiocanal Films Ltd. in der DVD-Serie The Ealing Studios Rarities Collection - Volume 3 (2013) in einem Box-Set mit 2 DVDs und mit anderen Klassikern dieses Studios, u.a. auch mit Basil Deardens Film Noir Frau im Netz / Goldener Käfig (UK 1950) und zwar ebenfalls bild- und tontechnisch einwandfrei, allerdings ohne Untertitel und ohne Extras.

 


 

Film Noir | 1947 | UK | Basil Dearden | Barry Jones | David Farrar | Eliot Makeham | Garry Marsh | Patrick Holt | Flora Robson | Mai Zetterling

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