Crown Vic



Psychologische Verteidigung


Concorde Home Entertainment


Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


banner_der_film_noir_3.jpg


Bewertung
****
Originaltitel
Crown Vic
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
2019
Darsteller

Thomas Jane, Luke Kleintank, Josh Hopkins, David Krumholtz, Bridget Moynahan

Regie
Joel Souza
Farbe
Farbe
Laufzeit
110 min
Bildformat
Widescreen

 


 

 

Los Angeles, Kalifornien: Auf der Valley Avenue in El Sereno rauben zwei mit Sturmgewehr AR 15 und Benelli Selbstladeflinte ausgestattete Gangster (Nils Lawton, Danny Schoch) am helllichten Tag ohne Rücksicht auf Verluste die Union Trust Bank aus. Die Polizei ist vor Ort, es kommt zu einem Schusswechsel, bei der mehrere Beamte getroffen werden, indessen die Täter in einem getunten Wagen entkommen… Bald darauf hat sich die Dunkelheit des Abends über die Metropole gesenkt. In der Parkgarage der Olympic Station im Polizeirevier Los Angeles West packt Streifenpolizist Ray Mandel (Thomas Jane) eine Tasche in den Kofferraum seines Ford Crown Victorias, dann bringt er das Sturmgewehr im Innenraum in einer Dachhalterung unter. Er sammelt den Müll der letzten Nacht in eine Plastiktüte und meldet der Zentrale via Funk den Beginn seiner Nachtschicht. Kurz darauf greift er wieder zur Sprechmuschel und fragt nach, ob jemand seinen Auszubildenden, den “Rookie“ Nick Holland (Luke Kleintank), gesehen habe. Der Sergeant am anderen Ende gibt zu verstehen, dass Holland sich offenbar übergeben habe und nun nicht mehr zu sehen sei. Mandel fährt los und ruft im Vorbeifahren in eine Gruppe junger Uniformierter, ob einer von ihnen Holland sei, und einer der Angesprochenen bejaht. Mandel ist von dem Ungeschick des Neuen sichtlich genervt, doch endlich sitzt letzterer auf dem Beifahrersitz, und sie fahren los. Der Altgediente gibt Holland zu verstehen, dass das Video mit ihm beim Kotzen wohl bald online gehe… 

 

“It is us against them. You are the sheep dog. They are the sheep. They could turn around and hang you out in a heartbeat.” Kriminalität. Drogen. Sex. Gewalt. Irrsinn. Eine Gesellschaft außer Rand und Band. Eine Welt ohne Regeln. Eine Metropole, darin die Zivilisation ein Relikt und der Alltag noch vor Einbruch der Dunkelheit ein Dschungel der Gesetzlosigkeit ist. Denn in Los Angeles ist ein Menschenleben nichts wert. Der Streifenpolizist Ray Mandel, der selbst in der Stadt geboren wurde und aufwuchs, hatte einst ähnliche Ideale, wie sein “Rookie“ sie in seiner ersten Nacht auf Streife zum Ausdruck bringt. Nach 25 Jahren Dienst auf den Straßen ist er völlig desillusioniert, ein Mensch ohne jegliches Vertrauen in andere und ohne die mindeste Hoffnung. Das Gesetz, dem er die Treue schwor, ist für ihn wie für fast alle seine Kollegen nur ein Schutzschild, der sie in einem Fall von Selbstjustiz vor Strafverfolgung schützt. Jeder Beamte, wird in der Konversation mit Nick Holland klar, trägt noch eine zweite, eine unregistrierte Waffe bei sich, die ihn in einem Zweifelsfall auch über ein sofortiges Todesurteil entscheiden lassen kann. In einem Fall, da die Amoralität des Verbrechens das erträgliche Maß überschreitet und eine angemessene Strafe, was immer dies auch meint, fraglich bliebe. Mandel überlässt es dem moralischen Kompass jedes einzelnen, in solch einer Suation selbst zu töten. Aber Mandel rettet in der ersten Nacht, die Holland und er gemeinsam fahren, einen jungen Junkie aus den Klauen des rachsüchtigen, vollends amoralischen Jack VanZandts (Josh Hopkins), der ebenso wie sein Partner Stroke Adams (David Krumholtz) von der Allmacht berauscht ist, die ihm seine Polizeimarke verleiht. Durchtrainiert, hasserfüllt und vollgepumpt mit Drogen sinnt VanZandt auf Rache, weil ihm der Junge bei seiner Verhaftung einen Kratzer auf der Wange beibrachte. Ray Mandel und sein Streifenwagen, ein Ford Crown Victoria, dem der Neo Noir seinen pointierten Titel verdankt, stehen im Mittelpunkt des Werks von Autor und Regisseur Joel Souza. Für Ray Mandel gibt es allein die Welt im Inneren seines Autos und diejenige draußen, der er nicht mehr angehört.

 

© capelight pictures

“We had a little more leeway back then, ya know? You didn’t have some armchair lawyer with a cellphone camera on every street corner just looking for you to fuck up." Über eine Laufzeit von 110 Minuten versäumt der Film es in keiner einzigen, ein schier abgründiges Bild der US-Gesellschaft zu zeichnen, die bis ins Mark marode ist. Während der ersten Amtszeit unter US-Präsident Donald Trump in den US-Kinos zu sehen, erscheint der Film über sieben Jahre nach seiner Premiere relevanter denn je. Leider ist es nicht das Meistwerwerk, dass es dank der überragenden darstellerischen Leistung Thomas Janes (Broken Horses, USA 2015) hätte sein können. Dafür will das Drehbuch einfach zu viel, überfrachtet es die Handlung mit Nebensträngen, die um unsere Aufmerksamkeit buhlen. Da gibt es Nick Hollands schwangere Ehefrau, die ihn ständig anruft, oder die heroinsüchtige Freundin (Bridget Moynahan) von Mandels erschossenem ex-Partner, die ihre 9-jährige Tochter Kasiley (Shiloh Verrico) in der Obhut von Drogendealern zurückließ. In der Summe wirkt das zu dramatisch und zugespitzt. Allein die Beobachtung dessen, was ihnen während er Nachtschicht widerfährt, hätte völlig gereicht. In den USA sind viele Kritiker der Ansicht, Crown Vic kopiere Antoine Fuquas Training Day (USA 2001), aber ich halte das für zu kurz gegriffen. Die zentralen Rollencharaktere, Ray Mandel und Nick Holland, unterscheiden sich signifikant von denen in Fuquas gleichfalls radikalem Porträt der Metropole Los Angeles. Auch David Ayers Harsh Times (USA 2005), Antoine Fuquas Gesetz der Straße – Brooklyns Finest (USA 2009) und Deon Taylors Black And Blue (USA 2019) liegen Joel Souzas Film benachbart, aber dies tut der Qualität der einzelnen Werke jeweils keinen Abbruch.

 

Via capelight pictures kann man unter dem Titel Im Netz der Gewalt auf eine gut editierte deutsche BD- oder DVD-Ausgabe (2020) mit dem Film ungekürzt im Originalformat zugreifen, bild- und tontechnisch exzellent. Dazu gibt es die original englische Tonspur und eine (nicht zu empfehlende) deutsche Synchronisation sowie optional Untertitel auf Deutsch. Als Extras sind eine Kurzdokumentation betitelt Hinter den Kulissen und der Kinotrailer beinhaltet.

 


 

Neo Noir | 2019 | USA | Joel Souza | Thomas Jane

Neuen Kommentar hinzufügen

CAPTCHA
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.