Below The Deadline



Psychologische Verteidigung


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Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


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Bewertung
**
Originaltitel
Below The Deadline
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1946
Darsteller

Warren Douglas, Ramsay Ames, Jan Wiley, Paul Maxey, Philip Van Zandt

Regie
William Beaudine
Farbe
s/w
Laufzeit
65 min
Bildformat
Vollbild

 


 

 

Aus dem hochaufragenden Riverside Hotel tritt Rechtsanwalt Arthur Brennan (Paul Maxey) aufs Trottoir, zupft sich die Knopflochblume zurecht und will in sein direkt vor ihm parkendes Auto einsteigen. Plötzlich versperren ihm zwei Schlägertypen (Charles Sullivan, Meyer Grace) den Weg und fragen, ob er Brennan sei, was er bejaht. Ihr Boss Oney Kessel (Philip Van Zandt) wünsche ihn zu sprechen, und einer nickt in Richtung einer schwarzen Limousine, die nur weniger Meter entfernt parkt. Kessel gesellt sich zu ihnen und macht Arthur Brennan klar, dass Jeffrey Hilton (George Meeker), ein Gangster und Brennans Brötchengeber, vom Deauville Club fernhalten solle, wenn ihm das eigene Leben lieb sei. Hilton habe bereits genug vom städtischen Territorium übernommen, und ab sofort würde er, Oney Kessel, ihm dabei nicht länger zusehen. Als der Jurist kurz darauf in den Büros der Atlas Finance Corporation, dem Unternehmen Jeffrey Hiltons, aufschlägt und solche Warnung überbringt, erntet er von dem ehrgeizigen und skrupellosen Gücksritter Spott und Geringschätzung. Zwischendurch ruft Hiltons Geliebte Vivian Saunders (Jan Wiley) bei ihm an und erklärt, dass sie gern die Halskette aus Diamanten, die sie gemeinsam beim Juwelier gesehen hätten, erwerben und heute Abend tragen wolle. Hilton erklärt, dass er seine Zustimmung gäbe, wenn sie den Händler auf 10.000 US-Dollar herunterhandeln könne. Abends trifft man sich zu dritt am Tresen des Deauville Clubs, und Vivian Saunders begutachtet im Spiegel der Bar ihre Halskette...

 

"After all, Kessel isn’t gonna stand for much more cutthroat confrontation.” – “Forget it! We’re gonna crowd him right out of town.” Wenn Joe Hilton (Warren Douglas) nach vier Jahren im Dienst der US Army von den Kriegsschauplätzen im Pazifik in seine Heimatstadt zurückgekehrt, erfährt er noch im Zug aus der Zeitung, dass sein Bruder Jeffrey, ein Betreiber von Glücksspielen in lokalen Nachtclubs, kaltblütig ermordet wurde. Joe scheint nicht überrascht und keineswegs betrübt, und mithilfe Arthur Brennans nimmt er Jeffreys Position in der Atlas Finance Corporation ein, wobei er gegenüber dem Konkurrenten aus der Bande des Bruders, eines Kerls namens Nichols (Clancy Cooper), als schlagkräftige Argumente seine Fäuste zum Einatz bringt. Joe begreift schnell, wie das Geschäft funktioniert und wie es ihm dank Brennan und Pinky (John Harmon) ordentlich Geld in die Kasse spült. Und schon beim ersten Besuch im Deauville Club, wo er vom Geschäftsführer Denali (George Lloyd) ebenfalls mit ein paar Fausthieben eine Schuld von 5000,- US-Dollar eintreibt, verguckt er sich in die minderjährige Angestellte Lynn Turner (Ramsay Ames)… Mit einem Wort: Joe Hilton ist ein durch und durch unsympathischer Charakter, - empathielos, grobschlächtig und gewaltbereit - ein Mann ohne Manieren und ohne Werthaltungen. Als er und Lynn sich näherkommen, wird deutlich, dass solche Jahre im Krieg ihn traumatisierten, was ihn kalt und verächtlich werden ließ.

 

 

“Jeff and I were never really close. I’m sorry he’s dead, sure, but… after all, he had a pretty soft time thoughout most of his life. His dying didn’t change anything very much.” Im Grunde ist der Mittelteil, darin jener Film Noir mit Joes Gier nach Macht und Geld ein ungeschminktes Porträt der USA Mitte des 20. Jahrhunderts zeichnet, das beste an der Geschichte. Irgendwann tauchen sein ex-Vorgesetzter Colonel Samuel P. Austin (Bruce Edwards) und der ultrakonservative Bürgermeisterkandidat James S. Vail (George Eldredge) bei Hilton auf und versuchen ihn mit Unterstützung Lynn Turners auf den Pfad der Tugend zurückzuführen. Sollte er die Wahlen gewinnen, will Vail das Glücksspiel in der Stadt verbieten lassen, obwohl – aufgepasst! – das Geschäftsmodell Joe Hiltons und Oney Kessels völlig legal ist. Hier dreht sich der Wind, und der Film wird zu einem Stück rechtspopulistischer Propaganda. Das Glücksspiel erscheint in Augen der politischen Akteure als Teufelswerk. Joe Hiltons Liebe zu einer Minderjährigen – Lynn ist 19, Volljährigkeit erreicht man in den USA mit 21 – ist demgegenüber gar kein Problem. Das Finale ist so linientreu, bieder und im Rekurs auf die charakterliche Disposition Joe Hiltons derart unglaubwürdig, dass es fast schon zum Lachen reizt. Was für ein geradewegs dümmliches Ende! Was für eine verlogene Moral! Selten sah ich einen Film Noir, der die Krisen eines Kriegsheimkehrers bebildert, mit einer dergestalt konservativen Botschaft aufwarten. Jean Negulescos Nobody Lives Forever (USA 1946), George Marshalls Die blaue Dahlie (USA 1946) oder Joseph L. Mankiewic‘ Somewhere In The Night (USA 1946) erzählen im gleichen Jahr Geschichten von Weltkriegs-Veteranen, die allesamt um Längen besser sind. Fazit: Eine heute obskure und halb vergessene B-Produktion der Monogram Pictures, die man sich getrost schenken kann.

 

Es gibt von Below The Deadline eine recht gute DVD-R (2014) in der Warner Archive Collection (weltweit abspielbar) mit dem Film bild- und tontechnisch sauber restauriert, dazu den englischen Originalton ohne Untertitel und das Ganze wie immer in dieser Reihe auch ohne Extras.

 


 

Film Noir | 1946 | USA | William Beaudine | George Eldredge | Warren Douglas | Cay Forester | Ramsay Ames

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