Driver, The

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Psychologische Verteidigung


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Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


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Bewertung
****
Originaltitel
The Driver
Kategorie
Neo Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
2014
Darsteller

David Morrissey, Claudie Blakley, Ian Hart, Sacha Parkinson, Harish Patel

Regie
Jamie Payne
Farbe
Farbe
Laufzeit
180 min
Bildformat
Widescreen

 


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Manchester, England: Vincent Mckee (David Morissey) ist bei dem von Amjad (Harish Patel) geleiteten Fahr- und Kurierservice City Link Cars als Fahrer angestellt. Seit 18 Jahren ist er mit Rosalind (Claudie Blakley) verheiratet, die für ein Marktforschungsunternehmen arbeitet und in den eigenen vier Wänden mit Probanden neu eingeführte Produkte testet. Vince fährt Pensionäre in den Pub, wobei er deren Urinbeutel am Straßenrand entleert, und er bringt Betrunkene zu ihren Ehefrauen zurück, die ihm und dem Gatten die Tür vor der Nase zuschlagen und das Fahrgeld schuldig bleiben. Wenn sich letzterer in den Innenraum erbrach, ist es Vince, der die Sauerei mit eigener Hand reinigen muss. Er versucht sich bei seiner Hausärztin (Maxine Burth) gegen seine Depressionen Medikamente verschreiben zu lassen. Die bei ihm getesten Werte liegen aber knapp unter der für Psychopharmaka festgesetzten Mindestgrenze. Seine Tochter Katie (Sacha Parkinson) will Fahrstunden nehmen, doch kann ihr Vincent Mckee das mit seinem Gehalt nicht bieten. Sein Sohn Tim (Lewis Rainer), ein künstlerisch begabter Junge, lebt nicht mehr Zuhause, nachdem er sich einer Sekte anschloss und verschwand – ein Schatten über dem Leben der Familie. Eines Tages erhält Vince einen Taxiruf zu einem Pub namens Bulls Head in der Nähe der Piccadilly Station und zwar für einen gewissen Colin Vine (Ian Hart). Letzterer ist ein Jugenfreund Vincents, der zuletzt für sechs Jahre im Gefängnis saß und seit heute wieder auf freiem Fuß ist…

 

Die von den britischen Autoren und Produzenten Daniel Brocklehurst und Jim Poyser konzipierte und verfasste BBC-Serie The Driver zeigt in der Anlage starke Parallelen zu Cyril Endfields Aufruhr in Santa Sierra (USA 1950). Darin lässt sich der arbeitslose Familienvater Howard Tyler (Frank Lovejoy) von dem Kriminellen Jerry Slocum (Lloyd Bridges) als Fahrer für einen nächtlichen Job anheuern und gerät in einen unaufhaltsamen Strudel des Verbrechens und der Gewalt… Aber der eine Schritt vom Weg ab, der irreversibel auf eine Einbahnstraße in Richtung furchtbarer Konsequenzen führen muss, ist sowohl im klassischen Film Noir als auch im Neo Noir keine Seltenheit und zeigt gerade in England eine Tradition. Schon in Alberto Cavalcantis Sträfling 3312 (UK 1947), in Ken Hughes‘ Die Fahrt in den Abgrund (UK/USA 1957) und in Michael Winners West 11 (UK 1963) gerieten bürgerliche und tendenziell aufrichtige Protagonisten teils aus materieller Not, stets aber durch eigene, falsche Entscheidungen in die Fänge von Gangstern und in ausweglose Situationen. Dem Taxifahrer Vincent Mckee legt sich als Spätvierziger die Schlinge der Hoffnungslosigkeit um den Hals, als er sieht, dass alle seine Anstrengungen im Beruf und im Privatleben niemals mehr sein einstiges Lebensglück zurück zu bringen vermögen. Denn ständig, so scheint es, fehlt es der kleinen Familie vor allem an materieller Stabilität, weshalb nach dem Verlust des Sohnes an eine Sekte nun auch die Tochter sich von ihm abzuwenden droht. Ein letztes Erlebnis in einer Spätschicht hinterm Steuer, bei dem Vince Mckee einmal Opfer der eigenen Gurtmütigkeit wird, lässt ihn jenen Vorschlag Colin Vines annehmen, für den Gangster “The Horse“ (Colm Meaney) scheinbar harmlose, allerdings lukrative Fahrdienste zu übernehmen.

 

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© Koch Media GmbH

“In the final episode of Danny Brocklehurst’s Manchester set neo-noir, taxi driver Vince’s poorly constructed web of lies comes crashing down“, schreibt Stuart Barr für Dead Good, aber nicht allein das Finale sondern die Serie im Ganzen hat es in sich. Der aussichtslose Kampf um ein Mininmum an Würde in einer Stadt voller Tristesse und in einer Lebenswelt ohne Empathie wird für Vince zu einem Kampf ums nackte Überleben. Was im Leben einst verheißungsvoll und ein Quell der Freuden gewesen war, ist heute bloß die Erinnerung an die eigene Jugend, indessen das Dasein als Erwachsener nichts als eine Serie verpasster Chancen und Fehlentscheidungen zu sein scheint. Spott und Verachtung erntet der Mann, der sich als Taxifahrer müht den Kopf über Wasser zu halten, indessen er weiß, dass es zu mehr niemals reichen wird. The Driver ist durch und durch ein Neo Noir, mit spitzer Feder und mit scharfem Blick in ein Drama verwandelt, das seine Figuren ernstnimmt und ihnen Zuneigung angedeihen lässt. David Morrissey ist herausragend, aber auch Sacha Parkinson, Claudia Blakley und Colm Meaney sind in ihren Rollen jeweils exzellent. Zudem zeigt das Ensemble auch sonst keine Schwachstellen, und der Blick auf Manchester ist schlicht superb. Für Freunde temporeicher Action ist die BBC-Serie sicher nicht das Richtige. Sie bietet klassisches Erzählkino im Serienformat, weil letzteres einen der Anlage gemäßen Rahmen stiftet, ist auch der erste Teil nochmals stärker als der im letzten Drittel vorhersehbare zweite. Für Freunde des Film Noirs und des Neo Noirs zu empfehlen!

 

Erstklassige DVD-Edition (2015) der Koch Media GmbH mit der TV-Serie ungekürzt im Originalformat, allerdings in zwei Teilen à 90 Minuten und nicht in 3 Teilen wie in der englischen Fassung, dazu den englischen Originalton plus optional deutsche Untertitel sowie auch eine deutsche Tonspur (diese Serie muss man aber unbedingt mit Originalton sehen), zudem ein 5-minütiges Making Of sowie weitere 8 Minuten Interviews als Extras.

 


Neo Noir | 2014 | UK | Jamie Payne | David Morrissey

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