Racket, The

 banner_02_noir_city-18-web-2.jpg


banner_noir_film_festival-2020-2.jpg


Psychologische Verteidigung


Concorde Home Entertainment


Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


banner_der_film_noir_3.jpg


Bewertung
****
Originaltitel
The Racket
Kategorie
Pre Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1928
Darsteller

Thomas Meighan, Louis Wolheim, Marie Prevost, G. Pat Collins, Henry Sedley

Regie
Lewis Milestone
Farbe
s/w
Laufzeit
84 min
Bildformat
Vollbild

 


 

The Racket-Poster-web1.jpg The Racket-Poster-web2.jpg The Racket-Poster-web3.jpg

© Paramount Pictures Corporation

Chicago, Illinois: In einer verregneten Nacht geht Police Captain James McQuigg (Thomas Meighan) eine zu dieser Zeit menschenleere Straße entlang. Da öffnet sich ein Festerladen und jemand legt aus einem Fenster des gegenüberliegenden Hauses ein Gewehr auf den Polizisten an, indessen der Gangster Nicholas “Nick“ Scarsi (Louis Wohlheim) dem Schützen ein Zeichen gibt. Der Schuss lässt im Erdgeschoss ein Fenster zersplittern. McQuigg sucht mit seiner nun gezückten Pistole Schutz im Hauseingang, aus dem in aller Seelenruhe Nick Scarsi heraustritt, sich eine Zigarette anzündet und den überraschten Widersacher freundlich begrüßt. Auf dem Weg zur Limousine, die im gleichen Augenblick für ihn vorfährt, gibt Scarsi dem Beamten den Tipp, womöglich besser den Beruf zu wechseln. Doch McQuigg grinst bloß und lässt ihn wissen, dass er seinen Beruf liebe und dass er selbst noch keinen Schuss vergeudet habe… In Scarsis Büro hängt an der Wand eine Urkunde, die den durch Alkoholproduktion und -verkauf in diesen Zeiten der Prohibtion reich gewordenen Gangster als Mitglied der Anti-Liquor League of America auszeichnet. Nick Scarsi selbst sitzt die Zeitung lesend, rauchend und mit den Beinen auf dem Schreibtisch auf seinem Stuhl, als das Telefon klingelt. Sein Mitabeiter Chick (Lucien Prival) hat eine Nachricht und Scarsi greift sich Hut und Mantel und tritt hinaus in die Fabrikhalle, wo mit Destillationsapparaturen die Herstellung und zudem Abfüllung und Transport des Alkohols organisiert werden…

 

“The Racket (…) ein US-amerikanischer Kriminal- und Gangsterfilm von Lewis Milestone (…) gilt als ein Vorläufer des in den 1940er-Jahren aufkommenden Film noir“, liest man heute bei Wikipedia, und das ist aus verschiedenen Gründen richtig. Der wichtigste Aspekt liegt in der Grauzone zwischen Gut und Böse, in dem konturlosen Übergang vom einen zum anderen, wodurch dem Zuschauer Nicholas “Nick“ Scarsi nicht einzig als ein skrupelloser Profiteur und Mörder gezeigt wird, sondern zugleich als kleines Rädchen im Getriebe eines Herrschaftssystems, das sich seiner lediglich bedient. Drehbuch und Film teilen sich diese Qualität mit der Darstellung des Gangsters Bull Weed (George Bancroft) in Josef von Sternbergs im Jahr zuvor erschienem und gleichfalls für Paramount Pictures gedrehten Unterwelt (USA 1927), welcher ebenso als eine Blaupause für die Themen und Stilmittel des Film Noirs der 40er Jahre gilt. Der seinerzeit 22-jährige Produzent von The Racket, der später legendäre Milliardär Howard Hughes, beschloss nach seiner Übernahme von RKO Radio Pictures im Jahr 1948 den Stummfilm The Racket einem zeitgenössischen Film-Noir-Publikum als Remake zu präsentieren und gab Gangster / Das Syndikat (USA 1951) mit Robert Mitchum, Robert Ryan und Lizabeth Scott in Auftrag. Doch die hausbackene, kreuzbrave Neuverfilmung kann trotz seiner Darsteller dem Original nicht ansatzweise das Wasser reichen. Atmosphärisch dicht, exzellent gespielt und dramaturgisch auf den Punkt inszeniert, so entpuppt sich das Original von The Racket noch heute als ein Klassiker des Stummfilms und des Zeitalters der Gangster-Epen jener kommenden 30er-Jahre. Aufmerksamkeit und Anerkennung wurden ihm allerdings schon zur Zeit seines Erscheinens entgegengebracht.

 

The Racket-lc-web2.jpg The Racket-lc-web1.jpg The Racket-lc-web3.jpg

© Paramount Pictures Corporation

Lewis Milestones The Racket wurde im Jahr 1929 bei der ersten Verleihung des Academy Award of Merit, heute als Oscar der seit Jahrzehnten berühmteste Filmpreis weltweit, in der Kategorie Bester Film nominiert, doch ging die Auszeichnung seinerzeit an William A. Wellmans Erste-Weltkriegs-Drama Flügel aus Stahl (USA 1927). Zwei Jahre später erhielt allerdings Lewis Milestones zweiter Tonfilm Im Westen nichts Neues (USA 1930) den Preis in genau der Kategorie, zudem er persönlich denjenigen für die Beste Regie. Auch Louis Wolheim und G. Pat Collins waren in diesem harten Antikriegsfilm wieder in tragenden Rollen zu sehen. Indessen Milestone im Anschluss noch eine lange und wechselvolle Karriere in der US-Filmindustrie absolvierte, die zur Zeit des Film Noirs The Strange Love of Martha Ivers (USA 1946) und Triumphbogen (USA 1948) einschloss, wurde das Trio der Hauptdarsteller aus The Racket von Tragik heimgesucht: Louis Wolheim verstarb 1931 mir nur 50 Jahren an einer Gewaltdiät, - manche Quellen geben Magenkrebs an - Thomas Meighan starb 1936 als 57-jähriger an Krebs und ein Jahr später folgte ihm Marie Prevost aufgrund ihrer Magersucht im Alter von 38 Jahren nach.

 

Der für eine lange Zeit als verloren geltende Film wurde im Jahr 2004 nach einer sorgfältigen Restauration durch die University of Nevada und in einer von dem darauf spezialisierten Komponisten Robert Israel mit neuer Orchestermusik versehenen Fassung via Turner Classic Movies (TCM) im US-Fernsehen ausgestrahlt. Seither sind diverse DVD-Bootlegs davon im Umlauf, demgegenüber der Film auch 16 Jahre später weltweit nicht als BD oder als DVD vorliegt.

 


 

Pre Noir | 1928 | USA | Lewis Milestone | George E. Stone | Walter Brennan

Neuen Kommentar schreiben

Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.