Kopfüber in die Nacht

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Psychologische Verteidigung


Concorde Home Entertainment


Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


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Bewertung
***
Originaltitel
Into The Night
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1985
Darsteller

Jeff Goldblum, Michelle Pfeiffer, Richard Farnsworth, Irene Papas, Kathryn Harrold

Regie
John Landis
Farbe
Farbe
Laufzeit
115 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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© Universal Pictures

Los Angeles: Raumfahrtingenieur Ed Okin (Jeff Goldblum) lebt mit Ehefrau Ellen (Stacey Pickren) in einem Bungalow und fährt einen cremeweißen Toyota Corolla. Allerdings wird er von einer Lebenskrise heimgesucht, die er nicht versteht und die ihn jede Nacht um den Schlaf bringt: Ed Okin leidet an Insomnie. Antriebslos sitzt er vor seinem Frühstück, für einen Kaffee ist es eh zu spät, und auch Speck und Rührei räumt seine Frau hastig ab, als ihr Kollege Stan (Carmen Argenziano) sie mit dem Auto abholt. Ellen bemitleidet ihren Mann, hat aber auch keinen Rat zur Hand und wünscht ihm einen schönen Tag. Seinem Kollegen Herb (Dan Arkroyd) ist Eds dauerhaft depremierter Gemütszustand ebenfalls nicht verborgen geblieben. Er rät ihm, nach Las Vegas zu fliegen, sich dort eine Prostituierte zu nehmen und übers Wochenende hemmungslos geheimen Begierden zu frönen… Aber demgegenüber ist Ed ebenfalls skeptisch und schläft bei einer Arbeitsbesprechung beinahe ein. Bei seinem Vorgesetzten (David Cronenberg) handelt er sich einen Rüffel ein, als er gar vor seinen Kollegen offensichtlich nicht auf dem neusten Stand ist, und sobald er sie und Herb in der Kantine trifft, verabschiedet er sich, um den fehlenden Schlaf zur Mittagszeit nachzuholen. Als er vor seinem Haus Stans Wagen sieht, ahnt er, dass etwas nicht stimmen kann und ein Lauschen am Schlafzimmerfenster bestätigt seinen Verdacht… Zurück im Großraumbüro schläft Ed an seinem Schreibtisch ein und er träumt von Ellen und Stan beim Liebesspiel…

 

“Into the Night“ is a fitfully funny, aimless, unnecessary thriller (…)There was never a moment when I cared about the plot“, schrieb Roger Ebert sogleich nach Premiere des Films Ende Februar 1985 und mir erging es so wie ihm. Indessen der Beginn clever und stimmig erscheint und mit Jeff Goldblum in einer für ihn perfekten Rolle auftrumpft, ist mit Erscheinen von Michelle Pfeiffer als Diana in der 16. Minute und mit Beginn der Thriller-Handlung, die das Werk in die Serie von Neo Noirs der 80er Jahre einfügt, für meine Begriffe die Sache erledigt. Die Erzählung um den Schmuggel von Edelsteinen aus dem Iran in die USA, welche sowohl französische Gangster um einen Monsieur Melville (Roger Vadim) und eine skrupellose iranische Geschäftsfrau namens Shaheen Parvici (Irene Papas) auf den Plan rufen, ist derart lieblos zusammen geschustert und banal, dass man die Suche nach der Handlungslogik bald drangibt und ins Gähnen verfällt. Der Film möchte sowohl witzig als auch spannend sein, doch beides gelingt ihm nur in einzelnen Szenen, demgegenüber das Eine das Andere meist neutralisiert. Wenn zum Beispiel Parvicis vier namenlose Männer fürs Grobe – einer wird vom Regisseur John Landis persönlich verkörpert – Dianas wehrlose Freundin Christie in der Brandung des Pazifiks ertränken, kann zumindest ich nicht mehr über die vermeintliche Tollpatschigkeit der Killer lachen. Um den Handlungsfaden nicht zu unterbrechen, wird Diana, die ihre in einem Mantel versteckten Endelsteine von Christie zurückhholen will, von den Polizeibeamten darüber informiert, dass Christie nicht anwesend sei, weshalb ihr Exekution und Tod der Freundin bis zum Filmende verborgen bleiben.

 

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© Koch Media GmbH

Ed: “Are we under arrest, or what?“ – Federal Agent: “I'd say you fall into the “or what“ category.“ Die Liste der Cameo-Auftritte in Landis‘ Hybrid aus Thriller und Komödie sucht ihresgleichen. Neben Kollegen aus dem Fach der Filmregisseure – David Cronenberg, Roger Vadim, Don Siegel, etc. – finden sich Rockstar David Bowie sowie Jim Henson, Schöpfer der Muppets, dazu Rock’n’Roll-Legende Carl Perkins und Hollywood-Ikone Vera Miles (Der falsche Mann, USA 1956). Sie alle kommen und gehen, ohne zur Handlung Wesentliches beizutragen. Dass im letzten Akt das FBI unter Führung Clu Gulagers (Der Tod eines Killers, USA 1964) den gordischen Knoten der Verwicklungen zerschlägt, erscheint vollends absurd. Zugleich erweisen sich Finale und Schlussteil den Drehbuch-Standards aus Hollywood verpflichtet, so dass das Märchen-Ende eher den Zuschauer als die Protagonisten erlöst. Das Werk hat viele Freunde, die es wegen seiner Kulissen der 80er Jahre, inklusive Mode, Frisuren, Interieur und Technik, zum Kultfilm stilisieren, doch hat man Kopfüber in die Nacht beim Abspann schon (fast) vergessen. Im September 1985 hatte Martin Scorseses Die Zeit nach Mitternacht (USA 1985) seine Premiere: Ein junger Mann (Griffin Dunne), beruflich und privat in einer Krise, trifft auf eine junge Frau (Patricia Arquette) und durchlebt eine haarsträubende Nacht in der Großstadt, die zwar sein Zuhause ist, die er aber plötzlich von ganz anderer Seite kennenlernt… Ist das Konzept auch ähnlich, ist Scorseses Werk für mich der weitaus bessere Film, welcher schwarzen Humor und Spannung tatsächlich unter einen Hut bringt.

 

Von der Koch Media GmbH gibt es ein schön gestaltetes und preiswertes Mediabook (2018) mit einer BD und 2 DVDs und mit dem Film ungekürzt im Originalformat, bild- und tontechnisch perfekt restauriert, das Ganze mit der original englischen Tonspur und der deutschen Kinosynchronisation, optional Untertitel auf Deutsch oder Englisch, als Bonusmaterial eine Dokumentation namens B.B. King: Into The Night, die sich allerdings mit dem Bluesmusiker und nicht mit dem Film befasst, ebenso Interviews mit Jeff Goldblum und John Landis sowie den original Kinotrailer und ein 16-seitiges Booklet mit Fotos und Filmessay. Die ursprüngliche DVD (2004) der Universal Pictures Germany GmbH bietet den Film ebenfalls in sehr guter Bildqualität, beinhaltet neben Englisch und Deutsch auch Französisch als Tonspur und punktet neben den o.a. Untertiteln mit solchen auf Französisch, Niederländisch, Tschechisch, Ungarisch und Polnisch. Ebenso ist auch W.C. Handys Dokumentation B.B. King: Into The Night hier schon beinhaltet.

 


Neo Noir | 1985 | USA | John Landis | Jeff Goldblum | Vera Miles

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