Jim Cummings, Faizon Love, Jocelin Donahue, Michael Abbott jr., Matt McVay
![]() | ![]() | ![]() | ![]() |
In der Wüste Arizonas, im Yuma County, Grenzgebiet zu Mexiko und Kalifornien, liegt in den 70er Jahren einsam an der Landstraße eine Tankstelle in der Morgensonne. Ein Handelsvertreter (Jim Cummings) fährt mit seinem beigefarbenen 1969er Toyota Corona an die Zapfsäule und beobachtet einen Vogel, der im Schatten pausiert und dann davonfliegt. Der Tankwart Vernon (Faizon Love) kommt aus seinem Glashaus heraus, tritt an die Beifahrerseite, und der Ankömmling kurbelt das Seitenfenster herunter. Die Tanks seien leer, muss Vernon dem Kunden beichten, man erwarte den Tanklaster erst zur Mittagsstunde. Die nächste Möglichkeit zu tanken befände sich in einer Entfernung von 100 Meilen, doch der Toyota ist fast leergefahren, und so bleibt dem Handelsvertreter nichts übrig als zu warten. Er fährt sein Auto vor den angrenzenden Diner, will dem Rat des Tankwarts dort einen Kaffee zu trinken aber nicht folgen, sondern stattdessen im Auto warten. Er schaltet das Autoradio ein und erfährt, dass im nahen Buckeye, Arizona, zwei Bankräuber bei einem Überfall die Summe von 700.000 US-Dollar erbeuteten und aktuell in einem grünen 1971er Ford Pinto auf der Flucht seien… Da kommt ein Dienstwagen des Yuma County Sheriff Departments angefahren und stellt sich neben den Toyota. Die Kellnerin Charlotte (Jocelin Donahue) steigt aus und öffnet die Tür zum Lokal, indessen Sheriff (Michel Abbott jr.) dem Fahrer des Toyotas einen Blick zuwirft, der seinerseits beschließt, nun doch im Diner zu warten…
"There’s also the whole last section of the film, which (…) starts to feel like Galluppi is drawing things out, either because he doesn’t know when to stop, or because he wanted to hit the 90-minute mark”, schreibt James Teller für If You Want The Gravy… und trifft einen zentralen Schwachpunkt des Films, der gar nicht schlecht anfängt. Natürlich sind weder die Drehorte noch die Geschichte oder die Rollencharaktere originell. Zudem ist die Datierung der Handlung in den 70er Jahren ein expliziter Hinweis auf seine Verortung in der US-amerikanischen Kinogeschichte. Man sieht einen Retro-Thriller oder Retro-Noir, und das Cineasten-Publikum fühlt sich in der Erzählung angekommen, bevor sie beginnt. Allein die Bilder signalisieren: "Du kennst Dich hier seit langem aus." Auch die Schauspieler sind gut gewählt und machen in der ersten Hälfte des Werks ihre Sache mehr als ordentlich. Francis Galluppi vermittelt uns den Eindruck, eine unabhängige Produktion zu sehen, einen “kleinen Film“, der es aufgrund seines Skripts und seiner Dramaturgie mit den Großen aufnehmen oder sie gar übertrumpfen kann. Aber so ist es nicht... Ich habe keine einzige Rezension des Films gefunden, darin nicht der “Tarantino vibe“ oder eben Autor und Regisseur Quentin Tarantino erwähnt wurde, der vor über 30 Jahren den Neo Noir als zynisches, empathieloses Blutbad definierte. Damals und ebenso heute gibt es ein Publikum, nicht nur in den USA, welches genau das als “fun ride“, als großen Kinospaß wertschätzt. Damals und ebenso heute bleibe ich bei solcherart Kino außen vor. Denn wie bei Quentin Tarantino & Co. – also Oliver Stone, Tom Scott, etc. – bereiten mir blutige Hinrichtungen auch neueren Datums nicht per se Freude. Und ein treffsicher satirisches Element konnte ich in The Last Stop In Yuma County beim besten Willen nicht erkennen. Das Niveau des Sprachwitzes ist flach, und derr Schlusspunkt lässt die Filmhandlung als sinnlos erscheinen. Was will der Film vermitteln? Dass sich in den USA alles nur ums Geld dreht? Dass die Grenze zwischen Small Talk und Mord für US-Bürger in Minutenschnelle durchlässig wird? Tja, aber was heißt das?
“When the character is so unhinged that Cummings is flailing and stumbling and stammering and panic-whining, it’s like seeing Kermit the Frog in a film noir”, schreibt Matt Zoller Seitz für roger.ebert.com, und es ist als Kompliment gemeint. Für mich hat es genau die gegenteilige Konnotation. Es ist eine punktgenaue Beschreibung, wie klischeehaft und grausam “albern“ das letzte, blutige Drittel des Films sich entwickelt. Hier noch eine finale und aufschlussreiche Notiz zum ach so erfrischenden Charakter dieses Independent-Thrillers: Acht Jahre zuvor dreht Oren Shai mit The Frontier (USA 2015) einen Neo Noir mit Jocelin Donahue in der Hauptrolle. Angesiedelt in den 70er Jahren nimmt sie darin eine Stelle als Kellnerin in einem in der Wüste nahe Mexiko gelegenen Diner eines Motels an. Natürlich es um Raub und um Mord, und alle Charaktere haben etwas zu verbergen und gehen sich früher oder später an die Gurgel… Es ist mehr als offensichtlich, dass sich Galluppi von diesem Film (nicht nur im Hinblick auf Darstellerin Jocelin Donahue) inspirieren ließ, obwohl er ihn nicht eins zu eins kopierte. Viele Neo Noirs der USA lehnen sich seit über 10 Jahren nach hinten, versuchen den Geist der Vergangenheit zu rekreieren: Neben Blood Ties (FRA/USA 2013), Inherent Vice – Natürliche Mängel (USA 2014), The Frontier (USA 2015) und The Last Stop In Yuma County spielt auch The Nice Guys (USA 2016) in den 70ern. A Most Violent Year (USA 2014), A Violent Separation (USA 2019) und Love Lies Bleeding (UK/USA 2024) sind in den 80ern angesiedelt. Nur wenige der Werke reichen an die Qualität jener Neo Noirs heran, die in solchen Zeitaltern der Filmhistorie, ihren Weg ins Kino fanden.
Via Pandastorm Pictures, Berlin, gibt es ein aufwendig gestaltetes Mediabook mit BD und DVD (2024), das den Film in exzellenter Bild- und Tonqualität ungekürzt im Originalformat präsentiert, mit englischem Originalton und einer deutschen Synchronisation, mit deutschen und englischen Untertiteln, dazu drei unterschiedliche Audiokommentare, die Kurzfilme High Desert Hell und The Gemini Project, das Featurette Sell Your House Sizzle, den original Kinotrailer plus Bildergalerie sowie ein 16-seitiges Booklet inklusive Filmfotos und einem Interview mit Regisseur Francis Galluppi als Extras.











