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Film Noir und Neo Noir von 1922 bis heute


"What I have got is I have character in my face. It's taken an awful lot of late nights and drinking to put it there." Humphrey Bogart
 

ImageSichtbare und unsichtbare Gestalter und Ikonen des Film Noirs gab es von Anfang an. Wie viele Kulturphänomene entstand er weder zufällig noch zog er zufällig diejenigen an, die ihm teils lange treu blieben. Dabei muss folgendes berücksichtigt werden. Die 40er und 50er Jahre war in Hollywood die Zeit der mächtigen Studios. In erster Linie Universal, Twentieth Century Fox, RKO, Paramount, Columbia und andere finanzkräftige Filmstudios entschieden von der ersten Drehbuchseite an, was in die Kinos gelangte und was nicht. Die kommerzielle Verwertbarkeit eines Stoffs war - so wie heute - das A und O dieser Jahre.

Dennoch kam es zwischen 1941 und 1944 zu einem Paradigmenwechsel. Einzelne Autoren und Regisseure erwiesen sich in den Grenzen ihrer Möglichkeiten der Zeit klar voraus. Orson Welles’ Citizen Kane (1941), Alfred Hitchcocks Rebecca (1940) und John Hustons Die Spur des Falken / Der Malteser Falke (1941) ließen das Kino der Dreißiger weit hinter sich - und hatten beim Publikum Erfolg damit. Zudem hatten seit der Machtergreifung der Nationalsozialisten viele europäische Filmgrößen ihr Land verlassen und waren nach Hollywood gekommen. Mit dem Ausbruch des zweiten Weltkriegs folgten weitere.

So drehten in den Vierzigern dort die Regisseure Fritz Lang, Robert Siodmak, Max Ophüls, Jean Renoir, William Dieterle mit Schauspielern wie Peter Lorre, Jean Gabin, Simone Simon, Marlene Dietrich und vielen anderen. Sie brachten ihre Erfahrungen und ihren Stil nach Hollywood und sorgten gerade im Film Noir für Einflüsse, die man im Nachhinein dem deutschen Expressionismus und dem Poetischen Realismus Frankreichs zurechnet. Die literarischen Vorlagen stammten meist von US-Autoren wie Dashiell Hammett, Raymond Chandler und James M. Cain. Es ist diese Mixtur offensichtlicher und weniger eindeutiger und doch stilbildender Elemente, der sich der Film Noir verdankte. Allerdings war die Zeit keine des Autorenkinos: Regisseure und Schauspieler fassten ihre Arbeit als Broterwerb auf. Die meisten drehten Komödien, Western, Abenteuerfilme, Melodramen oder eben Film Noirs – je nachdem, was die Studios, bei denen sie unter Vertrag waren, ihnen abverlangten. Kino war Unterhaltung. Filme aus Hollywood entstanden, um Geld zu verdienen. Viel Geld.

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Leslie Brooks alias Blondes Eis, 1948 William Conrad, Hazel Brooks, 1947 Edmond O'Brien in Opfer der Unterwelt, 1950
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Brian Donlevy in Impact, 1949 Tom Neal, Ann Savage in Umleitung, 1945 Lee J. Cobb, Jane Wyatt in The Man Who Cheated Himself, 1950
 

Als die Exilanten Billy Wilder und Otto Preminger vom Schreibtisch des Autors auf den Regiestuhl wechselten, kam es 1944 zum Durchbruch des Film Noirs. Außer ihnen verdankten sowohl die Regiegrößen John Huston, Anthony Mann und Robert Wise als auch die Hollywoodstars Lauren Bacall, Humphrey Bogart, Richard Widmark, Kirk Douglas, Burt Lancaster und Robert Mitchum ihre Karrieren dem Film Noir der Vierziger. Doch manche Ikonen des Film Noirs gerieten schon ab den Fünfzigern  in Vergessenheit. Sie wechselten zum Fernsehen oder blieben auch in Genrefilmen wie dem Western auf Nebenrollen abonniert – Brian Donlevy, William Conrad oder Elisha Cook jr. waren ebenso wie Lizabeth Scott, Hazel Brooks oder Veronica Lake keine ruhmreichen Filmkarrieren vergönnt.

Zudem war der düster-existenzialistische Film Noir, ab 1946 nur in Frankreich so benannt, bei der Kulturkritik in den USA schon frühzeitig nicht wohl gelitten. Erst seit den Siebzigern erkennt auch die amerikanische Filmkritik, welche Leistungen in den Vierzigern und Fünfzigern gerade von den Männern hinter der Kamera vollbracht worden waren – von James Wong Howe, John Alton, Milton R. Krasner oder Van Nest Polglase. Diese Techniker des Films gehörten zwar zur Legion der Namen in Vor- und Abspann. Doch als die Männer im Schatten blieben sie in ihrer stilistisch prägenden Bedeutung dem Publikum meist unbekannt.