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Submitted by Tonio Klein (nicht überprüft) on 19. September 2018 - 20:01

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Hi, ich habe den Film sehr gemocht. Die von Dir kritisierten Dinge lassen sich auch positiv als B-Movie-Charme sehen, und war nicht auch schon bei einem guten Hitch die Logik zweitrangig? Für mich ist das ein angenehm archetypischer Film, der auch - so vermute ich - Archetypen statt Charaktere haben SOLL, also die Femme fatale (das ist doch mal eine legitime Nachfolgerin von Brigid O'Shaughnessy), den eher hineintaumelnden Cop, den Choleriker, den überlegten, aber sadistisch-dominanten Bandenchef etc. pp. Dass es stilistisch nichts zu meckern gibt, dürfte Konsens sein. Achten wir aber vielleicht doch noch etwas auf Erzähltechnik, dann bekommt das ganze eine m.E. durchdachte wie knochentrockene satirische Komponente, die mit Klischees geradezu spielt und mich sehr erfreut hat.

In einem eigentlich nicht komischen Film ließ sich stellenweise vor Lachen brüllen, etwa wenn Jovovich beim schon mehrfach verwendete Bild vom abgetrennten Zeh (man denke an The Big Lebowski) völlig unvermittelt den Spruch raushaut, sie bekomme jetzt 10 % Rabatt bei der Pediküre. Oder wenn aus Versehen auf einmal wer tot ist, ohne dass man ihm das Password entlockt hat. Hier kommt einfach ein nachdenklicher Mensch in einen absurden Strudel, das ist eine sehr vergnügliche Versuchsanordnung über den Irrsinn des Lebens, der daraus entsteht, dass Gauner eben auch nur Menschen sind. Ist das beim Malteser Falken groß anders, oder bei saftigen B-Perlen, an die man kaum Ansprüche an das (Psycho-)Logische stellt?

Schließlich fand ich die kammerspielartige Mache mit den vielen extremen Großaufnahmen sehr gut. Das gibt dem Film phasenweise tatsächlich etwas von Made for TV, aber es konterkariert eben auch den Oberflächenglanz. Da sehen wir erst die Jovovich, fast schon aufdringlich platt als Femme fatale auf die Sofalehne gegossen und die Beine so übereinanderschlagend, dass wir fürchten oder hoffen (je nach Sichtweise...), jetzt macht der Rafelson gleich noch einen auf Verhoeven und dessen Basic Instinct, nur platter. Aber in vielen Großaufnahmen sehen wir, dass dieses Gesicht eben alles andere als makellos ist, bei Jackson (bei dem das aber auch nicht neu ist) dito. Und das ergänzt sich ganz gut mit den Außenaufnahmen, bei denen sowas wie Landschaftstotalen nie vorkommen, sondern nur Un-Orte wie das Gelb-Blau einer Tankstelle, Hinterhöfe, Wände, eine allegorische Kleinstadt, ein Verkehrsstau, eine Grenze, die uns ebenfalls nicht einen orientierenden Überblick gewährt.

Schließlich möchte ich noch den Kunstgriff bemerken, dass Rafelson genau drei Mal nach einem Schnitt das Gegenteil von dem zeigt, was vorher angekündigt wurde. Das ist natürlich nicht neu, jemand sagt, ich mache dies und jenes ums Verrecken nicht, Schnitt, und schon macht er's. Aber hier scheint es Methode zu haben, über den schnellen Gag hinaus. Am Schluss sagt Jackson zu den Grenzern, sie sollen Jovovich festnehmen, sie geht OHNE Schnitt noch weiter, unbehelligt, Abblende. Das wirft doch die Frage auf, ist das jetzt Jacksons letztes Wort und müssen wir uns die Festnahme denken, oder sollen die drei Ellipsen sagen, dass es auch ohne sichtbare Ellipse heißt, das Gegenteil des Gesagten ist wahr und er wird sie NICHT festnehmen lassen? Das ist doch mal eine interessante Variante zur Bogart-/Astor-Finalszene des Malteser Falken. Somit war ich in allen Punkten hochzufrieden, und wenn man den Film als bewusstes (und m.E. extrem virtuoses) Spiel mit Versatzstücken sieht, dann stört auch nicht der Punkt, der mir am stärksten bei den Glaubwürdigkeitsmängeln aufgefallen ist. Halten ein paar popelige Nummernschilder wirklich eine aus allernächster Nähe abgefeuerte Gewehrkugel auf? Schwamm drüber.

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