Blues In The Night

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Film Noir Collection Koch Media GmbH


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Bewertung
****
Originaltitel
Blues In The Night
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1941
Darsteller

Priscilla Lane, Betty Field, Richard Whorf, Lloyd Nolan, Jack Carson

Regie
Anatole Litvak
Farbe
s/w
Laufzeit
88 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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© Warner Bros.

St. Louis, Missouri: Der Pianist Jigger Pine (Richard Whorf) und der mit ihm befreundete Schlagzeuger Peppi (Billy Halop) sind Mitglieder einer Jazzband und spielen des Nachts im St. Louis Café zum Tanz. Der Student der Rechtswissenschaften Nickie Haroyen (Elia Kazan) tritt zur Tür herein, er ruft seine Mutter an und berichtet davon, wie er fleißig studiere, indessen er lieber selbst in einer Band Klarinette spielte. Er versucht Jigger davon zu überzeugen, eine eigene Band zu gründen, aber der hat dafür nicht viel übrig. Ein betrunkener Gast (Matt McHugh) beschwert sich aufdringlich über die Wahl der Musik; Peppi versucht Jigger zu beruhigen, damit es nicht zum wiederholten Male zu einem Eklat kommt. Der geistesgegenwärtige Nickie sucht den Inhaber des Nachtclubs, Joe (George Lloyd), doch in dem Augenblick, als sie beide vor der Bühne ankommen, streckt Jigger den Trunkenbold zum zweiten Mal mit einem Fausthieb zu Boden. Jigger, Peppi und Nickie verbringen die Nacht im Gefängnis, wo sie in der Zelle ihren Bekannten Pete Bossett (Peter Whitney) treffen, einen Bassisten, dem es in der letzten Zeit nicht besser als ihnen erging. Gemeinsam lauschen sie dem mehrstimmigen Gesang mehrerer inhaftierter Schwarzafrikaner (Ernest Whitman, William Gillespie, Napoleon Simpson, Dudley Dickerson) und stellen fest, dass ihre ganze Liebe dem Blues gehört und dass nur er ihre Musik sei. Und so beschließen sie nun doch, mit Jigger Pine im Zentrum eine Jazzband zu gründen und reisen fortan quer durch die USA…

 

Kurz vor Blues In The Night trat der Schauspieler Elia Kazan als Gangster “Googi“ in Anatole Litvaks kitschig gefälligem Melodram Im Taumel der Weltstadt (USA 1940) auf, darin der 41jährige James Cagney einen jungen (!) Boxer und die angeblich gleichaltrige Jugendliebe der 25jährigen Ann Sheridan (im Film eine Tänzerin) spielt. Kazan überarbeitete Edwin Gilberts unveröffentlichtes Theaterstück Hot Nocturne für eine Broadway-Aufführung, das Studio Wanrner Bros. erwarb die Rechte und Kazan wirkte erneut unter Litvak als Klarinettist Nickie Haroyen in dem nun Blues In The Night benannten Film mit. Ursprünglich hatten James Cagney den Gangster Del Davis und John Garfield den Pianisten Jigger Pine spielen sollen, aber Richard Whorf und Lloyd Nolan, die dann ausgewählt wurden, sind in diesen Rollen exzellent. Blues In The Night, betitelt nach dem später erfolgreichen Musikstück des Films aus der Feder von Harold Arlen und Johnny Mercer, ist ein gänzlich eigenwilliger Hybrid aus Musical und Film Noir. Er porträtiert die Reise einer Jazzband, berichtet von Härten des Broterwerbs und von ihren Wurzeln in der schwarzafrikanischen Mussikkultur der USA, zeigt sie uns als Gefängnisinsassen, als illegal in Güterwaggons Reisende und als notorisch pleite. Sie stehen in Diensten des Gangster Del Davis, ihe Sängerin Ginger “Character“ Powell erwartet ein Baby, indessen der Ehemann Leo sich an die Femme fatale Kay Grant (Betty Field) heranmacht, usw. Dennoch liegt jene zeittypische Leichtigkeit der Musicals unter den von Ernest Haller in expressionistische Film-Noir-Szenarien getauchten Nächten, die ihrem Blues die Heimat sind. So präsentiert sich Blues In The Night als eine der letzten für Warner Bros. in den 30ern typischen Filmproduktionen und das sichtlich an der Schwelle einer neuen Ära. Im Gegensatz zu 20th Century Fox’s I Wake Up Screaming / Hot Spot (USA 1941), Metro-Goldwyn-Mayer’s Der Tote lebt (USA 1941) oder Warner Bros. eigenem Die Spur des Falken / Der Malteser Falke (USA 1941) bleibt jedoch der Eindruck, dass Blues In The Night nicht unbedingt mit voller Absicht ins Fahrwasser frühen Film Noirs geriet.

 

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© Warner Bros.

“I'd slap you right in the mouth if I thought it would do you any good.” Das Skript aus der Feder Robert Rossens (Jagd nach Millionen, USA 1947), seinerzeit bei Warner Bros. als Hausautor unter Vertrag, ist knackig und pointiert. Litvak ist als Regisseur so solide wie meistens und die Darstellungen der Schauspieler sind auch jenseits von Nolan, Kazan und Whorf gelungen. Aber auch Rossen sollte nur noch zwei Male für Warner Bros. schreiben und Priscilla Lane verließ das Studio noch im gleichen Jahr und zog sich nach ihrer Rolle in Richard Fleischers Film Noir Bodyguard (USA 1948) mit 33 Jahren aus dem Filmgeschäft zurück. Elias Kazan hat in Blues In The Night seinen letzten Auftritt als Schauspieler, er wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem der angesehensten (wenn auch nicht unumstrittenen) Regisseure Hollywoods. Die beachtliche Betty Field blieb zeitlebens auf Nebenrollen und später B-Filme abonniert; Billy Halop endete nach langem Kampf gegen den Alkohol als Krankenpfleger und starb 1976 mit nur 56 Jahren. Blues In The Night, der unmittelbar vor dem Überfall Japans auf den US-Marinestützpunkt Pearl Harbor ins Kino kam, floppte an der Kinokasse und ist heute ein zeitloses Relikt der Jazzkultur und des frühen Film Noirs, das allemal kurzweilig und empfehlenswert ist.

 

Erstklassige DVD-Edition (2008) der Warner Bros. Entertainment Inc. (USA) mit dem Film topp restauriert und ungekürzt im Originalformat inklusive der original englischen Tonspur und optional englischer und französischer Untertitel sowie mit zwei Kurzfilmen und drei Cartoons als Extras. Empfehlenswert!

 


Film Noir | 1941 | USA | Anatole Litvak | Robert Rossen | Ernest Haller | Billy Halop | Howard Da Silva | Jack Carson | Lloyd Nolan | Wallace Ford | Faith Domergue | Faye Emerson | Priscilla Lane

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